
Spielervermittler ist nach dem einschlägigen Spielervermittler-Reglement des Weltfußballverbandes FIFA, wer regelmäßig und gegen Entgelt Spieler mit einem Verein zur Begründung eines Arbeitsverhältnisses beziehungsweise zwei Vereine zur Begründung eines Transfervertrages zusammenführt. Andere Bezeichnungen sind Spielerberater oder Spieleragent.
Es wird viel über unsere Branche berichtet, oftmals nicht positiv. Hier finden Sie verschiedene Artikel/Berichte über die Branche und auch über uns...
Ihr Ruf ist miserabel. Bei jedem Transfer kassieren sie ab. Manchmal Millionen. Doch kein Club kommt an ihnen vorbei - den Spielerberatern. Ein Report über die heimlichen Regenten des Fußballs. Von Wigbert Löer und Mathias Schneider
Wenn sie auftauchen, läuft keine Kamera. Kaum ein Transfer im bezahlten Fußball, den sie nicht einfädeln. Sie wirken gedämpften Tons in den heimlichen Kontakthöfen des Fußballs: den VIP-Räumen der Arenen nach den Spielen, den Trainingsquartieren fernab des Trubels.
Spielerberater sind mächtig, ja gefürchtet. Die Europäische Union berichtete kürzlich von 'missbräuchlichen Praktiken' einiger Agenten, die zu 'Korruption, Geldwäsche und Ausbeutung minderjähriger Spieler' geführt hätten. Doch kein Klubmanager darf es sich mit den Souffleuren der Stars verscherzen. Lieber schimpfen sie hinter vorgehaltener Hand über diese 'windigen Kerle', die nur vom schnellen Geld angelockt seien.
Ihre Dienstleistung, Fußballprofis zu vermitteln, wird als notwendiges Übel akzeptiert - den Vereinen bleibt auch nichts anderes übrig: Fast jeder Profi begibt sich inzwischen in die Hände eines Agenten, den er für clever hält im Vertragspoker und der über gute Beziehungen zu zahlreichen Vereinen verfügt. Nur so lässt sich schließlich ein lukrativer Transfer anbahnen. Dass ein Klubmanager auf den Berater schimpft, gilt Profis als positives Signal. Sie wissen dann, dass ihre Interessen hart vertreten werden.
Agenten kassieren kräftig mit
Die Agenten des Fußball-Business kassieren allerdings kräftig mit. Allein in der vorigen Saison strichen sie in der Bundesliga für ihre Dienste rund 45 Millionen Euro Provision ein, bezahlt von den Klubs. Während der Winterpause investierten die Vereine fast 50 Millionen Euro in 45 Neuzugänge. In welchem Ausmaß eingekauft und verschachert wird, zeigt das Beispiel Bremen: Von der Meistermannschaft 2004 stehen heute noch drei Spieler im Kader. Bei den meisten der Transfers geht es um ein kleines Vermögen, ein Verein muss dem Agenten rund zehn Prozent des Spieler-Jahresgehalts überweisen, manchmal mehr. Ist ein Spieler ablösefrei zu haben, weil sein Vertrag ausläuft, fließen zudem Handgelder. An die Spieler - und an die Berater.
Die Reise zu den Headhuntern des Fußballs führt zunächst nach Berlin, in das Café Dressler auf dem Kurfürstendamm, wo Jörg Neubauer gelegentlich zu Mittag isst. Man sieht es ihm nicht an, Neubauer beherrscht ein erstklassiges Pokerface, aber er muss ein glücklicher Mann sein. Gerade hat er den Bremer Tim Borowski zum FC Bayern vermittelt, zum größten Klub Deutschlands. Sein Meisterstück gelang ihm, als er Christoph Metzelder zu Real Madrid brachte, dem größten Klub der Welt. 'Du musst von den Managern solcher Vereine respektiert werden', sagt er gelassen.
Neubauer, 45 Jahre, war der letzte Pressesprecher des Fußballverbandes der DDR und 1990 dabei, als Leverkusens Manager Reiner Calmund mit dem Ost-Berliner Stürmer Andreas Thom verhandelte. Eine Lehrstunde. Heute strahlt er vor allem Entschiedenheit aus: Ein Jörg Neubauer, so die Botschaft, zweifelt nicht. Seine Worte reiht er zu Hauptsätzen, so kurz und prägnant, dass sie nicht mal von seinem Handy unterbrochen werden, das dauernd klingelt. Das Image seiner Branche? 'Ist mir egal.' Den Neid der Kollegen? 'Spürt man.'
Neubauer fehlt die sportliche Kompetenz
Für die Zukunft scheint Neubauer gut aufgestellt, er hat auch die Nachwuchsstars René Adler, Sami Khedira und Ashkan Dejagah in seinem Portfolio. Er selbst späht schon lange nicht mehr nach Talenten. 'Dazu', sagt er, 'fehlt mir die sportliche Kompetenz.' Die besitze sein Scout Adolf Remy, ein 72-jähriger Berliner mit vier Jahrzehnten Erfahrung als Trainer. Ein echtes Talent werde schon mal von 20 Scouts angesprochen, sagt Neubauer, ein Berater müsse dann den Jugendlichen und dessen Eltern überzeugen. Man lernt sich kennen, plaudert, plant. Der Spieler schreibt eine Vollmacht. So beginnt es.
Auch an den Stars zerren die Agenten mitunter. Bei den wenigen Goldeseln unter den Profis können sie schließlich nicht nur an den Transfers, sondern wollen auch am Abschluss von Werbeverträgen verdienen. Schalkes Kevin Kurányi etwa soll ein Jahresgehalt von mehr als vier Millionen Euro verdienen und wirbt noch dazu für Nutella. Um ihn streiten sich derzeit Rogon und IMG, nachdem sein Berater Karlheinz Förster von der einen zur anderen Agentur wechselte.
Was passieren kann, wenn sich ein Spieler im Geflecht zwischen Berater, Familie und Verein verheddert und zum Spielball wird, zeigt sich an Mesut Özil, 19, einem der größten Talente des deutschen Fußballs. Bevor der U21-Nationalspieler von Schalke 04 zu Werder Bremen wechselte, überwarf er sich auf bizarre Weise mit seinem alten Klub. Der Jungprofi unterschrieb nicht den Vertrag, den sein Berater und sein Vater mit Schalkes Manager ausgehandelt hatten. Er selbst hatte an den Gesprächen nicht teilgenommen. Kurz darauf druckte die 'Bild'-Zeitung Schalkes Angebot fein aufgeschlüsselt ab. Der Spieler stand als Raffzahn da: als reichte Mesut Özil ein Gehalt von 1,5 Millionen Euro nicht. Beide Seiten beschuldigen sich des Vertrauensbruchs.
Wittmann schuf ein kleines Imperium
Dass Schalke 04 mit diesem Fall in den Verdacht kam, die Interna an die Presse gegeben zu haben, hat seinen Grund. Der Klub erweckt seit geraumer Zeit den Eindruck, sich durch die Rogon GmbH steuern zu lassen. Gleich sieben Stammspieler gehören zur Mandatsliste des Agenturchefs Roger Wittmann - und der steht der 'Bild'-Zeitung nahe, sein Schwager Mario Basler etwa ist dort Kolumnist. Der gelernte Spengler Wittmann hat ein kleines Imperium geschaffen: 30 feste und 60 freie Mitarbeiter sind in Europa beschäftigt, in Südamerika nochmals 20 Angestellte.
Rogon gilt als wenig zimperlich, wenn es darum geht, Klienten zu werben. Özils Vater Mustafa berichtete von einem Wittmann- Mitarbeiter namens Kemal, der ihm im September einen Beraterwechsel ans Herz gelegt habe - 50.000 Euro sei Rogon die Übernahme wert. Das Bonbon: Als Wittmann- Spieler werde Özil öfter auflaufen!
Spielerberater - Die Schatten der Stars
Durchweg unrichtig seien diese Behauptungen, schreibt Rogon-Prokurist Christian Rapp. Mesut Özil beharrt auf dieser Darstellung. Firmengründer Wittmann lehnte es ab, den Vorgang gegenüber dem zu kommentieren. Rogon, der heimliche Herrscher auf Schalke? Schon einmal häufte Wittmann ein Machtmonopol bei einem Bundesligisten an, 2001, mit neun Profis und vier Amateuren des 1. FC Kaiserslautern. Dessen Torwart Andreas Reinke klagte damals: 'Die Wittmann- Spieler laufen beim Training rum und sagen anderen, sie sollen lieber zu Wittmann gehen, damit sie hier weiter Fußball spielen können.' Der Präsident des FCK hieß zu jener Zeit Jürgen Friedrich. Er wirtschaftete den Verein in die Nähe des Ruins, wurde später wegen Steuerhinterziehung verurteilt - und gehört seit Juni 2007 der Geschäftsleitung von Rogon an.
Zuviel Nähe der Schalker zu Wittmann
Muss Schalkes Manager Müller die Nähe zur Agentur Rogon nicht beunruhigen? 'Die Klasse unseres Teams spricht für sich', sagt Müller. 'Ich würde auch den nächsten Transfer mit Wittmann machen, wenn der einen Spieler hat, den wir unbedingt haben wollen.'
69 Profis führt Rogon derzeit auf seiner Homepage. Aber auch Wittmann erleidet Rückschläge im Kampf um Marktanteile. 2005 verließen ihn drei Mitarbeiter, gründeten die Agentur Extratime und nahmen einen wichtigen Spieler mit: den früheren U21-Kapitän Hanno Balitsch von Hannover 96. Balitsch war ihr Startkapital, andere Spieler kamen hinzu. Heute plant der Geschäftsführer Christoph Leutrum, 39, den nächsten Schritt: Wie jeder Neuling sucht er einen zukünftigen Star, der auch den Berater in eine andere Umlaufbahn schießt. Leutrum nennt Jan Rosenthal, 21, Mittelfeld, ebenfalls Hannover. 'Jan ist unser Mann der Zukunft', sagt er, 'der ist eine Rakete.' Das ist die Rhetorik der Branche: Man muss seine Leute preisen.
Leutrum kommt wie ein älterer Bruder der Spieler daher, Lars-Wilhelm Baumgarten eher wie ein Wirtschaftsboss im Wartestand. Der frühere 'Bild'-Journalist ist Mitgründer der Agentur Stars & Friends, die sich mit Partnern in Osteuropa zusammentat. Die Firma bietet eine 'Rundum- Versorgung' von Wohnungssuche bis Interview- Training. Das Ziel heißt Expansion. Ein Organigramm sieht für die Zukunft knapp 50 Mitarbeiter und 431 betreute Spieler vor. Stars & Friends umwirbt künftige Klienten mit einer Hochglanzbroschüre. Auf deren Rückseite ist der Champions-League-Pokal abgebildet - zu Hannovers Mike Hanke und Leverkusens Simon Rolfes hat es bislang gereicht. Auch den Transfer von Sturmtalent Martin Fenin von Teplice nach Frankfurt wickelte Baumgarten ab.
Der Spieler muss Vertrauen haben
Regelmäßig versammelt der 36-Jährige seine Talentspäher um sich, wie Anfang Januar im Holiday Inn am Flughafen Hannover. 'Überall vor Ort sein und kein Einzelkämpfer', das, sagt Baumgarten, sei die Zukunft. Er ist so etwas wie der Spielertrainer einer Beraterelf, seine Halbzeitpredigt ist noch auf dem Flur vor dem Konferenzraum zu hören. 'Da muss dann vom Spieler auch die Unterschrift kommen', ruft Baumgarten. Man könne sich nicht monatelang um einen Jungen bemühen. 'Entweder vertraut der uns oder nicht.'
Um das Vertrauen ihrer Klienten kämpfen sie alle. Es ist das kostbarste Gut eines Beraters. Nur wenn die Bindungen eng genug sind, werden Versuche feindlicher Übernahmen durch die Kollegen abgeblockt. Schon deshalb steht jeder Berater allzeit bereit: Kein Anruf kommt zu spät, kein Weg ist zu weit, den Spielern zur Hand zu gehen. Christoph Leutrum saß tagelang am Bett des Tschechen Jan Simak, als der mit Depression und Alkoholproblemen in einer Prager Klinik lag.
In Deutschland gibt es derzeit 186 lizenzierte Agenten, von denen sich kaum mehr als 20 einen Großteil des Marktes teilen. Der 23-jährige Bastian Schweinsteiger arbeitet bereits mit dem fünften Agenten zusammen. Einer, von dem er sich getrennt hat, schickt ihm weiterhin Mahnungen, weil der Bayern-Profi seinen Vertrag mit ihm noch nicht gekündigt habe.
Stars & Friends will Geschäft seriöser machen
Stars & Friends-Mann Baumgarten ist fest entschlossen, das Geschäft seriöser zu machen. Dafür gründete er die Deutsche Fußballspieler-Vermittler-Vereinigung (DFVV). Aber kann die Berufsvertretung auch mit dem Gerücht aufräumen, bei Transfers würden Berater manchen Manager oder Trainer bestechen? Das Prinzip, das Kickback genannt wird: Du kaufst meinen Spieler für deinen Verein und bekommst dafür einen Teil meines Beraterhonorars.
Michael Becker hält die neue Organisation nicht für hilfreich, sondern für 'gefährlich'. Der Jurist berät DFB-Kapitän Michael Ballack, auch Bernd Schneider, Oliver Neuville und Manuel Friedrich. In seinem Büro in Luxemburg hängen eingerahmt die Trikots seiner Mandanten, ein Papp-Ballack steht da und ein kleiner Homer Simpson. Becker hustet, er ist erkältet, aber das hält ihn nicht davon ab, stundenlang über die Wichtigtuer, Versager und Betrüger der Branche zu reden. Er ist kaum zu stoppen.
54 Jahre ist der Pfälzer alt, seit Kurzem mit einer Französin verheiratet. Er trägt Jeans mit Turnschuhen ohne Schnürsenkel. Sein Motto 'mediocrity sucks', 'Mittelmäßigkeit ist widerwärtig', hängt am Eingang zu seiner Wohnung. Becker hat den jungen Ballack einst in Kaiserslautern einem Rivalen abspenstig gemacht, finanziell hat er ausgesorgt und muss auf niemanden mehr Rücksicht nehmen. Dem DFVV wird er nie beitreten. 'Da wird der Eindruck erweckt, eine lose Gruppe von Leuten ohne Sachkenntnis und rechtliche Legitimation sei qualifiziert, die Interessen der Spieler wahrzunehmen', sagt Becker. Nicht jeder in der Szene mag ihn für so unverblümte Aussagen.
Grauzone am Rande
Becker war früher Referent beim EU-Rechnungshof, er drängte in den Markt, als die Rechte der Spieler erstarkten - und der Bedarf nach cleverer Beratung wuchs. Das war 1995, seitdem gehören Fußballprofis nicht mehr den Vereinen, sondern sind nach Ablauf ihres Vertrags ablösefrei. Vor einigen Wochen folgte das sogenannte Webster-Urteil des internationalen Sportgerichtshofs Cas. Nun können Akteure sogar vor Ablauf ihrer Verträge ins Ausland wechseln - auch gegen den Willen des Vereins, dem nur eine Entschädigung in Höhe des ausstehenden Gehalts bleibt. Noch mehr Winkelzüge scheinen möglich, die Vertragswerke werden komplizierter.
Dass Klubs meist mit Nichtjuristen die Spielerverträge verhandeln, nennt Holger Hieronymus, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga, die 'normative Kraft des Faktischen'. So gehe es nun einmal zu. Man bewege sich 'in einer Grauzone am Rande des normalen Geschäftsgebarens'. Michael Becker hält dem entgegen: 'Rechtsberatung ist in Deutschland den Juristen vorbehalten. Eine erfahrene OP-Schwester darf ja auch keinen Blinddarm rausnehmen.'
Wer über Ballack nach Beckers Meinung unlauter berichtet, den attackiert er humorlos, die jugendliche Flapsigkeit ist dann vergessen. Bei den Vereinen agiert er wie ein Spindoctor in der Politik, preist mit blumigen Worten die Qualität seiner Mandanten. Jeder Agent tut das - seine Spieler sind immer die besten.
Becker hat noch ein Motto, das ließ er auf ein T-Shirt drucken und verschicken. Darauf stand 'JSHDBDEV', eine Abkürzung: Jeder Spieler hat den Berater, den er verdient.
Die Branche der Spielerberater ist ins Zwielicht geraten. Sie würde die Spieler und die Vereine abzocken, horrende Honorare kassieren. Sogar von „Kinderhandel“ oder „sportlicher Zuhälterei“ ist die Rede.
Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball sorgte für Aufsehen, als er konkrete Zahlen an eine Hamburger Zeitung weitergab. Laut Rauball wurden alleine in der vergangenen Saison von den Vereinen der 1. und 2. Bundesliga 171 Millionen Euro an Transfersummen aufgebracht. Zusätzlich sollen 58 Millionen Euro an die jeweiligen Berater gegangen sein. „Das Verhältnis zwischen Berater-Provision und Ablösesumme ist grotesk“, so Rauball.
Die Spielerberater in Deutschland wehren sich gegen derartige Beschuldigungen, gestehen aber ein, dass es zu viele schwarze Schafe in der Branche gibt. Gerade die Berater ohne Lizenz können agieren, wie sie wollen, dabei greifen Sie zu legalen, aber oft auch zu illegalen Mitteln. Manfred Schulte ist lizenzierter Berater und Geschäftsführer der Spielerberatung Prosoccer aus Köln. Er vertritt Profis wie Jan Schlaudraff von Hannover 96 oder Robert Huth vom FC Middlesborough. Sein Konzept: Schulte plädiert für Offenheit gegenüber seinen Verhandlungspartnern. Gerne dürfen seine Klienten zu Vertragsverhandlungen Familienangehörige oder Freunde mitbringen. Er betont, dass seine Firma Prosoccer das Geschäft der Spielerberatung „offen und transparent“ betreibe. Spieler und Verein würden immer mit in alle Gespräche einbezogen, auch wenn es um die Provision des Beraters geht. Das Besondere: Es gibt keinen Vertrag zwischen Prosoccer und den Spielern, alles läuft auf freiwilliger, auf Vertrauensbasis.
„Einheitliche Kontrolle für alle Spielerberater!“
Das ist eher untypisch. Schnell viel Geld verdienen und das möglichst „lautlos“, so heißt die Devise der meisten Spielervermittler. Zwischen fünf und zehn Prozent des Brutto-Jahresgehaltes eines Profis bekommt ein Spielerberater für eine erfolgreiche Vermittlung. Die Höhe der Provision hängt ganz vom Verhandlungsgeschick des Beraters ab. „Ausschläge nach oben, aber auch nach unten sind möglich“, so Schulte. Da kann man nicht gerade von einem transparenten Geschäft sprechen. Um dieser Undurchsichtigkeit Herr zu werden, wurde im Jahre 2007 die Deutsche Fußballspieler-Vermittler-Vereinigung (DFVV) gegründet. Zusammen mit dem Deutschen Fußball Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) wollen die bisher über 50 Mitglieder an einer sauberen Lösung arbeiten.
Nur geändert hat sich bisher wenig: Nach wie vor können zu viele Spielerberater unbehelligt ihrer Arbeit nachgehen. Bei Verstößen gegen das Regelwerk des DFVV können Sie nicht belangt werden und entgehen somit möglichen Sanktionierungen durch den DFB. Zwar gibt es ein von den Verbänden und der Spielervermittlung ausgegebenes Regelwerk, doch das gilt eben nur für die lizenzierten Berater. „Was nützt uns eine Straßenverkehrsordnung, wenn sie keiner kontrolliert? Dann würden auch hier alle fahren wie sie wollen. Genauso ist es bei dem Regelwerk für uns lizenzierte Berater“, kritisiert Manfred Schulte ein fehlendes Kontrollorgan seitens des DFB. Er fordert eine einheitliche Kontrolle für alle Spielerberater. „Wenn das so weiterläuft, dann wäre es für uns lizenzierte Vermittler viel besser, wir würden alle unsere Lizenz abgeben und würden in der Grauzone arbeiten wie unsere `Kollegen´ ohne Lizenz“, so Manfred Schulte.
Das Vorbild muss England sein
Schulte geht noch einen Schritt weiter und schiebt den schwarzen Peter den Vereinen zu. Denn wenn es um die großen Stars geht, scheint vielen Klubs jedes Mittel recht zu sein. Nicht selten fließen dann auch Summen, die keine seriösen Geschäfte vermuten lassen. „Ein unseriöser Berater kann nur dann undurchsichtige Geschäfte machen, wenn er mit einem ebenso unseriösen Geschäftspartner zu tun hat“, sagt Schulte. Die Schuld nur auf die Berater zu schieben, ist damit zu einseitig. Ein externes Kontrollorgan einzurichten, wäre an dieser Stelle wohl der richtige Weg.
Ganz wie in England: Dort gibt es bereits eine Lösung, die auch in Deutschland funktionieren könnte. Im Mutterland des Fußballs überweist der Verein die Provision des Spielerberaters an die FA, das englische Gegenstück zum DFB. Die FA leitet das Geld dann weiter an die Vermittler. Jeder kann auf diese Weise nachvollziehen, wer wann für wen gearbeitet hat - transparent eben! Was im Mutterland des Fußballs bereits funktioniert, kann auch in Deutschland klappen, doch nur wenn Vereine, Berater und Verbände an einem Strang ziehen und sich an ein allgemein gültiges Regelwerk halten.
Ende August ist es wieder so weit. Dann endet die Transferperiode im Fußballgeschäft. Der Alltag der lizensierten Spielervermittler und Spielerberater verheisst bis zu diesem Datum eine enorme Menge an Arbeit verbunden mit viel Stress. Die Anfragen von Spielern und Vereinen häufen sich und jeder versucht fieberhaft die richtigen Kontakte zu knüpfen.
Einige Spielervermittler versuchen Spieler an befreundete oder kooperierende Berater zu vermitteln, andere widerum konzentrieren sich nur auf die Erfolgversprechenden Spieler und lassen alle anderen Anfragen unbeantwortet verstreichen.
Was macht die Arbeit eines erfolgreichen Spielervermittlers heute aus und was unterscheidet ihn von einem weniger erfolgreichen Vermittler?
In den allermeisten Fällen ist es immer das Netzwerk und sind es die Kontakte, die einem Spielervermittler die Chance auf erfolgreiche Vermittlung erhöhen.In diesem Business wird viel hinter den Kulissen gearbeitet. Je Einflußreicher und bekannter ein Berater, desto größer und Qualitativ hochwertiger sein Netzwerk. Allerdings ist dies noch lange kein Grund für all die weniger bekannten Berater, den Kopf in den Sand zu stecken.
Seit ein paar Tagen existiert ein Netzwerk für lizensierte Spielervermittler im Internet, welches Ansprechpartner für Spielervermittler, Spieler sowie Vereine ist. Das Netzwerk ist für Beteiligte aus den verschiedenen Sportarten zugänglich und bietet einen höchst effektiven Mehrwert für alle Akteure im Transferbusiness. Das unter www.Spielervermittler.net erreichbare Portal vernetzt Angebot und Nachfrage. Spielerprofile und auch Gesuche werden anonymisiert eingestellt und mit einer Chiffrenummer versehen. Ein Interessent, kann gezielt in diesem Portal suchen und einen Kontakt zu dem zuständigen Vermittler oder Verein herstellen lassen. Die Bezahlung erfolgt rein Erfolgsbezogen und i.d.R. mittels einer geringen prozentualen Beteiligung am Honorar bei erfolgreicher Vermittlung. Die Spielerprofile stammen von dem Netzwerk angeschlossenen Spielervermittlern und Vereinen und werden rollierend auf Aktualität und Seriösität geprüft um einen hohen Qualitätsstand zu gewährleisten. Dem Netzwerk sind momentan rund 40 Partner angeschlossen, es ist aber in Kürze mit einer enormen Expansion zu rechnen. Bis Ende 2009 wird mit einem Volumen von ca. 500 nationalen sowie internationalen Partnern gerechnet. Partnerschaften bestehen schon heute nicht nur in Europa, sondern sogar in Brasilien, wo man diese Möglichkeit der zusätzlichen Präsentation sehr schätzt.
Ihr Ruf ist miserabel, ihr Einfluss auf den Fußball enorm. Viele halten die Berater der Profi-Kicker für skupellose Menschenhändler. Doch ohne sie läuft im Geschäft nichts.
Die ihn getroffen haben, beschreiben Jorge Mendes als eleganten Südländer mit einer Vorliebe für feine, dunkle Anzüge. Er arbeitete in einer Videothek, in einem Nachtklub und in Bars, bis er einen jungen Fußballtorwart traf.
Nuno Espirito Santo galt als Talent, fing die Bälle allerdings nur für einen portugiesischen Provinzverein in Guimarães. Mendes versprach, ihm einen besseren Arbeitgeber zu suchen. Er vermittelte Nuno zu Deportivo La Coruna, eine der namhaften Adressen in der ersten spanischen Liga.
Das ist 13 Jahre her. Nuno wurde zu einem der weltweit besten Torhüter. 2004 gewann er mit dem FC Porto die Champions League. Aber auch Jorge Mendes, 43, hat es an die Weltspitze geschafft. Vor ein paar Wochen vermittelte der Portugiese seinen Landsmann Cristiano Ronaldo von Manchester United zu Real Madrid.
König seiner Zunft
Für 94 Millionen Euro Ablösesumme. Noch nie wurde für einen Fußballer mehr Geld bezahlt. Und noch nie hat ein Spielervermittler besser verdient als Jorge Mendes. Der Ronaldo-Transfer hat ihn zum König einer Zunft gemacht, deren Ruf miserabel, deren Einfluss auf das Milliardengeschäft Profifußball jedoch enorm ist.
Kritiker halten Spielerberater und -vermittler für skrupellose Menschenhändler. Absahner, die sich an talentierte Kinder heranschleichen, sie mit Karriereversprechen ködern, um sie dann später tanzen zu lassen wie Puppenspieler ihre Marionetten.
Andere sehen in Mendes&Co. wichtige Karriereplaner, Seelenmasseure und Ratgeber einer oft unbedarften Klientel. Für die Vereine sind sie bei der Spielersuche längst unverzichtbar. Knapp 5000 lizensierte Berater hat der Weltfußballverband Fifa registriert. Hinzu kommt eine Dunkelziffer oft zwielichtiger Gestalten, die ohne Zulassung Fußballer verschachern. Obendrein mischen noch Familienangehörige oder Rechtsanwälte mit, die keine Fifa-Lizenz brauchen.
Der Markt ist aus den Fugen geraten
'Es tummeln sich in diesem Geschäft Scharlatane der schlimmsten Kategorien, aber auch seriöse Profis', sagt der Ludwigsburger Sportrechtler und Anwalt Christoph Schickhardt. Seine Einschätzung: '25 Prozent beraten gut, 40 Prozent schlecht und der Rest ist unseriös.'
Torwart Timo Hildebrand etwa hält er für einen besonders schlecht beratenen Profi. 'Er wurde mit dem VfB Stuttgart deutscher Meister, die Fans lagen ihm zu Füßen, und er war dabei, Nationaltorwart zu werden', sagt Schickhardt. Trotzdem wechselte Hildebrand nach Valencia, wo man ihn kaum spielen ließ. Er flog aus der Nationalmannschaft, verpasste die Europa-Meisterschaft 2008 und versucht nun in Hoffenheim einen mühsamen Neustart. 'Da muss man fragen, an was sein Berater gedacht hat, außer an den eigenen Profit', sagt Schickhardt.
Der Markt ist aus den Fugen geraten. Nicht erst in diesem Sommer, wo vor allem Real Madrid mit Geld um sich schmeißt und neben Ronaldo noch Kaka (für 65 Millionen Euro) und Karim Benzema (35 Millionen) eingekauft hat.
'Entwicklung in die völlig falsche Richtung'
Auch der deutsche Branchenprimus Bayern München ließ sich nicht lumpen und überwies 30 Millionen Euro für den Stürmer Mario Gomez nach Stuttgart. Ob und wieviel noch zusätzlich an die Vermittler überwiesen wird, wird nie bekannt gegeben.
Einer, der es wissen muss, Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL), klagt: 'Das Verhältnis zwischen Ablösesummen und Beraterprovisionen ist geradezu grotesk. Der enorme Anstieg der Provisionen ist eine Entwicklung in die völlig falsche Richtung.' Binnen fünf Jahren haben sie sich verdoppelt.
Alles ist Verhandlungssache - Millionen für die Seele
Nach DFL-Angaben haben die 36 Vereine in der ersten und zweiten Bundesliga in der Saison 2008/2009 insgesamt 171 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Zusätzlich flossen 58,8 Millionen Euro an die Vermittler. Das Fachblatt Kicker schreibt, in Wirklichkeit zahlten die Bundesligaklubs sogar 'annähernd 100 Millionen Euro an Berater, Familienangehörige und Freunde der Spieler.' Was in ihren Bilanzen unter 'Sonstiges' kaschiert werde.
Für die anstehende Spielzeit, die an diesem Wochenende mit der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal beginnt, werden neue Rekorde erwartet. Bis Ende August läuft die Transferperiode, innerhalb der Spieler Vereine wechseln dürfen.
'Bei Transfers mehr als bei Vertragsverlängerungen'
Wer weiß, ob Bayern München bis dahin nicht doch noch Franck Ribéry verliert? Der Franzose hat immerhin gleich zwei Berater: Alain Migliaccio und Jean-Pierre Bernès, der 1994 in Marseille in einen großen Bestechungsskandal verwickelt war. Von den beiden heißt es, sie würden Ribéry immer schwindelerregendere Verdienstmöglichkeiten ins Ohr flüstern, würde er die Bayern - Vertrag bis 2011 hin oder her - verlassen.
'Meistens fließt für einen Berater bei Transfers mehr als bei Vertragsverlängerungen', sagt Martin Bader. Er hat diese Woche ein norwegisches Talent für den 1.FC Nürnberg verpflichtet. Bei Verhandlungen folgt der Club-Manager festen Gepflogenheiten. Erst ganz zum Schluss, wenn alle Eckpunkte des Engagements geklärt sind, feilscht er mit dem Berater über dessen Provision.
'Wenn einer einen guten Job gemacht, sich gekümmert und womöglich schon lange für uns gezielt einen Spieler gesucht hat, gibt es auch mal einen Schnaps obendrauf', sagt Bader. 'In der Regel kassiert der Berater zwischen sieben und 15 Prozent vom Grundgehalt des Spielers als Provision.' Andere gehen von der Transfersumme aus. Letztlich ist also alles Verhandlungssache.
Zehn Spieler am Tag
Der studierte Sportökonom Bader, 41, hat den 1. FC Nürnberg in fünf Jahren vom Chaosklub zum solide wirtschaftenden Fußballunternehmen umerzogen. Durch die Fensterfront seines Büro am Vereinsgelände am Valznerweiher kann er der Profimannschaft beim Training zusehen.
Sein Handy brummt ständig; hätte er es nicht stumm geschaltet, könnte er keine paar Minuten ununterbrochen sprechen. 'Mir werden in der Transferperiode jeden Tag mindestens zehn Spieler angeboten', sagt Bader. 'Mit Beratern zu reden, ist mein tägliches Geschäft.'
Im Umgang mit den vermeintlichen Schmuddelkindern plädiert er für pragmatischen Realismus. 'Spielerberater sind ein enormer Wirtschaftsfaktor im Profifußball geworden', sagt Bader. 'Sie sind ganz einfach Marktteilnehmer, die es auch in Zukunft geben wird.' Und die 'absolut ihre Daseinsberechtigung' hätten.
Vorausgesetzt, sie arbeiteten seriös, kümmerten sich auch außerhalb von Vertragsverhandlungen um ihre Schützlinge, seien für die Vereine ständig ansprechbar und obendrein fußballerisch kompetent. 'Ein guter Berater kennt die Struktur unseres Kaders und weiß, auf welcher Spielposition wir Bedarf haben', sagt Bader. Und er wisse, was ein Verein sich leisten könne.
Überweisung nach Liechtenstein
Am schlechten Image aber sind die Berater nicht alleine schuld. Beim großen Fußballer-Monopoly überweisen manche Vereine schon mal ein paar Millionen auf das Konto einer Briefkastenfirma in Liechtenstein, wie Schalke04 im Fall des nigerianischen Stürmers Victor Agali. Die Geldströme auf Konten zweier Berater bei Agalis Wechsel 2001 von Hansa Rostock zu Schalke 04 beschäftigen bis heute Justiz und Finanzbehörden.
Bisweilen mischen auch Trainer mit. Der Präsident eines Bundesligaklubs wunderte sich lange, warum sein Coach ständig neue Spieler wollte, die er dann auf der Ersatzbank versauern ließ. 'Dann habe ich mitbekommen, dass er heimlich an jedem Transfer mitverdient hat.'
Über den 1.FC Kaiserslautern kursiert das Gerücht, dass unter Trainer Otto Rehhagel Spieler bevorzugt wurden, die von der Agentur Rogon betreut wurden. Bestätigt wurde das nie. Zum Management von Rogon gehört der lizenzierte Berater Frank Fahrian und der nicht-lizenzierte Roger Wittmann.
Keine wirksame Kontrolle
Der rechtskräftig wegen Steuerhinterziehung verurteilte Ex-Präsident von Kaiserslautern, Atze Friedrich, arbeitet heute bei Rogon. 'Wenn ein Verein einige Leistungsträger in der Mannschaft hat, die denselben Berater haben, kann er etwa bei Gehaltsverhandlungen leicht in die Defensive geraten', warnt Liga-Präsident Rauball.
Auch aktuell wird viel getuschelt. Zum Beispiel über den Wechsel von Nationalspieler Marko Marin, 20, von Borussia Mönchengladbach zu Werder Bremen. Jahrelang wurde Marin von Ex-Profi Miroslav Stevic beraten. Der ist seit Februar Manager des Zweitligisten 1860 München. Als solchem verbieten ihm die Fifa-Statuten jedwede Beratertätigkeit.
'Im Einzelfall versaut'
Den Transfer nach Bremen hätten deshalb Marins Familienangehörige abgewickelt, heißt es offiziell. Stevic betont, er habe damit nichts zu tun. 'Aber wenn Marko mich um Rat fragt', sagte er unlängst der SZ, 'dann spreche ich mit ihm.'
Oder Claudio Pizarro. Der peruanische Stürmer soll 2001 beim Wechsel eines Landsmannes zu Werder Bremen 900.000 US-Dollar Provision kassiert haben. Laut Fifa-Statuten ist das einem aktiven Profi verboten. Pizarro darf trotzdem weiter kicken, und Werder will ihn erneut verpflichten. Apropos Bremen: Auch Ex-Präsident Jürgen Born soll bei besagtem Transfer mitkassiert haben. Er bestreitet das, trat inzwischen aber zurück.
Über solche Beispiele ärgert sich der Berater Thomas Kroth, 40. 'Unsere Branche ist nicht per se schmutzig, aber im Einzelfall versaut', sagt er. Lässig ist er in einem der roten Ledersessel im Büro seiner Firma Pro-Profil versunken.
Seriös und bestens vernetzt
Sie residiert im früheren Verwaltungsgebäude des Phoenix-Stahlwerkes im Dortmunder Stadtteil Hörde. Kroth gilt als seriös und bestens vernetzt in der Branche; viele Verantwortliche kennt er aus seiner Zeit als Bundesligaprofi. Um ein Haar hätte er in diesem Sommer seinen aktuell wertvollsten Klienten, Schalke-Torwart Manuel Neuer, zu Bayern München vermittelt. '80 Prozent meines Geschäftes spielen sich am Telefon ab', sagt Kroth.
Er besitzt die Fifa-Lizenz, die eine Prüfung über die einschlägigen Reglements und Vertragsrecht sowie die Hinterlegung von 100.000 Schweizer Franken voraussetzt.
Pro-Profil beschäftigt eine Handvoll festangestellte Mitarbeiter, sowie Freiberufler, die beispielsweise als Scouts bei Jugendturnieren Talente suchen. Mit etwa 70 Profis im Marktwert von 82,5 Millionen Euro im Portfolio zählt Pro-Profil zu den größten deutschen Agenturen. 'Seit dem Bosman-Urteil verdienen Spieler mehr Geld und damit auch ihre Berater', sagt Kroth. Der 1995 vom Europäischen Gerichtshof gefällte Richterspruch erlaubt Fußballern, nach Ablauf ihres Vertrages ablösefrei den Verein zu wechseln.
Die Regeln für Transfers sind eigentlich klar: Vereine dürfen nur mit lizenzierten Beratern verhandeln. Die Wirklichkeit sieht anders aus. 'Im Alltag kann jeder Verein, der einen Spieler unter allen Umständen verpflichten will, in die Lage kommen, dass er sich entscheiden muss: Gehe ich den korrekten Weg und verzichte sogar zur Not auf den Spieler, oder setze ich mich auch mit einem nicht-lizenzierten Berater an einen Tisch', sagt DFL-Chef Reinhard Rauball, 62.
Schlechte Beweisbarkeit
Der weißhaarige Jurist sitzt im Chefbüro von Borussia Dortmund, wo er ebenfalls als Präsident amtiert, und sagt, dass es keine wirksame Kontrolle gibt. 'Wir sind in diesem Punkt, ehrlich gesagt, etwas ratlos. Wir möchten eine klare Grenze ziehen, ohne in Aktionismus zu verfallen. Die Beweisbarkeit von Fehlverhalten ist dabei die hohe Hürde.'
Jorge Mendes hat die Fifa-Lizenz. Niemand weiß genau, wie viel er am Ronaldo-Transfer verdient hat; Experten schätzen mehr als zehn Millionen Euro. Mendes hat viele portugiesische Nationalspieler und Startrainer wie Jose Mourinho und Felipe Scolari unter Vertrag.
Zur EM 2008 - kurz Euro genannt - schrieb er in einer Zeitung eine Kolumne. Zunächst sollte deren Titel dem Vernehmen nach 'Mehrere Millionen' lauten. Das gefiel Mendes angeblich nicht. Am Ende hieß die Kolumne 'Die Entwicklung der Euros'. Das war doppeldeutig und traf doch auf den Punkt.
Ausgerechnet bei der Weltmeisterschaft, der größten Börse für Fußballspieler, treten sie kaum in Erscheinung: die Spielerberater. „Man kommt ja nicht einmal ins Mannschaftshotel, da kann ich besser zu Hause bleiben', sagt Norbert Pflippen, der eventuell zum Halbfinale anreisen wird. Pflippen war mal die große Nummer der Branche, hat aber inzwischen Prominenz wie Oliver Kahn, Sebastian Deisler oder Mehmet Scholl von der Kundenliste streichen müssen. Im deutschen WM-Kader ist Pflippen noch mit Torsten Frings und Lars Ricken vertreten.
Der Rechtsanwalt Michael Becker hat mit Michael Ballack, Bernd Schneider und Miroslav Klose drei Stammspieler unter Vertrag und gilt als einer der Marktführer. Er hat mit dem Berliner Jörg Neubauer – bei der WM durch Christoph Metzelder und Marko Rehmer repräsentiert – eine Art strategische Partnerschaft vereinbart, beide haben sich einen für die Berater-Gilde vergleichsweise guten Ruf erworben. „Die arbeiten sauber', sagt zum Beispiel Ernst Thoman von der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV).
Gelästert wird dennoch gern über die Konkurrenz, geklagt über ständige Abwerbeversuche sowieso. Vor allem Roger Wittmann, Chef der Rogon AG, bekommt sein Fett ab. Aus dessen umfangreicher Kundendatei rutschte zwar nur Thomas Linke in den deutschen WM-Kader, doch wird sein Wirken auch von der Spielergewerkschaft mit Argwohn verfolgt. „Wir beobachten ihn im Interesse der Spieler', sagt Thoman und verweist darauf, „dass Wittmann den 1. FC Kaiserslautern im Griff hat'. Ein Großteil des Kaders des pfälzischen Klubs ist Rogon-Kunde, die Abhängigkeiten seien von Jahr zu Jahr gewachsen und hätten längst bedenkliche Ausmaße erreicht.
Das und auch die ihm nachgesagten wirtschaftlichen Schwierigkeiten lassen Wittmann kalt. Der umstrittene Berater, Schwager des früheren Nationalspielers Mario Basler und in Asien mit einem Mitarbeiter vor Ort, meint nur: „Wir sind die größte Gesellschaft am Markt und den anderen wohl zu groß geworden.' Dann verweist er auf „ganz, ganz renommierte Partner' wie Karl-Heinz Förster und Bernd Cullmann. Für Pressearbeit hat er Stefan Backs eingestellt, und der wundert sich über nichts mehr: „Es geht um viel Geld, da wird auch mit Lügengeschichten gearbeitet.' Backs ist ehemaliger Sportjournalist, und es gibt Gerüchte, dass auch aktuelle Berichterstatter nebenher im Transfergeschäft mitmischen und abkassieren.
Wittmanns Ruf konnte nicht einmal durch die Zusammenarbeit mit Wolfgang Fahrian, der Linke mit zu Rogon gebracht hat, aufpoliert werden. Die VdV-Vizepräsidenten Michael Preetz und Steffen Freund, beides ehemalige Nationalspieler, sind bis heute mit Fahrian verbandelt. Auch Thoman lobt den früheren Torhüter und freut sich, dass immer mehr Berater ihr Geschäft professionalisieren: „Früher waren das oft Einzelgänger, heute gibt es eine ganzheitliche Betreuung.' Was auch daran liegt, dass große Vermarktungsagenturen wie IMG führende Berater wie den ehemaligen HSV-Profi Jürgen Milewski verpflichtet haben.
Sorgen bereitet der Gewerkschaft weniger der Spitzen-, sondern vielmehr der Amateurbereich. „In den unteren Ligen geht es geradezu schäbig zu', beklagt Thoman. In der Bundesliga sei alles seriöser, auch wenn „eine Reihe von Leuten versucht, hier ins Geschäft zu kommen, denn das ist das Filetstück'. Thoman spricht von zwölf Prozent des Bruttojahresgehalts eines Spielers, die an den Berater gehen. Plus Sonderleistungen, „und da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt'. Michael Becker weiß das nur zu gut und freut sich, dass sich Miroslav Klose bei der WM in den Blickpunkt gespielt hat. Er kann Torschützenkönig werden, hat das Interesse großer Klubs geweckt und scheint den nächsten großen Deal zu garantieren. Der Berater meint dazu lapidar: „Weder mir noch Klose liegen derzeit Angebote betreffend eines Vereinswechsels vor.'
Darüber hinaus passt es Becker auch bestens in den Kram, dass die USA noch immer im Wettbewerb vertreten sind. Diverse US-Nationalspieler wie Landon Donovan sind auch seine Kunden. „Schade, dass die USA jetzt schon auf Deutschland trifft“, bemerkt Becker. „Wäre aus meiner Sicht ein schönes Endspiel gewesen.' HB
Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht Spielerberater Roger Wittmann über den schlechten Ruf seiner Branche, die Vorzüge des Internet und seine Angst vor der Änderung des Transferrechts durch die EU.
ZUR PERSON
Der gelernte Klempner, Berufsfeuerwehrmann und Immobilienkaufmann Roger Wittmann, 40, verdient sein Geld als Spielerberater. Mit seiner in Berlin ansässigen Firma Rogon AG und einem großen Mitarbeiterstab betreut er Spieler wie Mario Basler, Christian Timm oder Michael Preetz. Wittmann setzt in seinem Beruf zunehmend aufs Internet.
SPIEGEL ONLINE: Herr Wittmann, die Branche, in der Sie tätig sind, genießt keinen besonders guten Ruf.
Roger Wittmann: Ich bin nicht sicher, ob wir wirklich einen so schlechten Ruf haben.
SPIEGEL ONLINE: Lothar Matthäus hat behauptet, Spielervermittlern komme es auf 'die eigene, schnelle Mark' an, weniger auf das Wohl ihrer Klienten.
Wittmann: Ich glaube kaum, dass Lothar während seiner Karriere zu seinem Berater gegangen ist und ihm aufgetragen hat, irgendetwas nur zum Wohlergehen des Vereines, nicht aber zum Vorteil von Lothar Matthäus zu tun. Ich glaube, dass es ein Geben und Nehmen zwischen Vereinen und Spielerberatern ist. Wir leben davon, dass wir ständig im Kontakt miteinander stehen. Im Übrigen: Jeder Verein hat einen Manager, warum sollte ein Spieler dann keinen haben?
SPIEGEL ONLINE: Welchen Service bieten Sie Ihren Kunden?
Wittmann: In der Rogon AG arbeiten unter anderem ein Wirtschaftsprüfer, ein Anwalt und auch ein Medienfachmann, der unsere Klienten im Umgang mit den Medien schulen soll. Dazu kommt selbstverständlich noch die Fußball-Fachkompetenz solcher Mitarbeiter wie Karlheinz Förster oder Bernd Cullmann. Zudem sind wir gerade eine Partnerschaft mit der Deutschen Bank eingegangen, die unsere Klienten bei der Kapitalanlage berät. All diese Spezialisten brauchen wir, wenn wir eine Karriereplanung vernünftig durchführen wollen. Unsere Manpower ist enorm.
SPIEGEL ONLINE: Experten behaupten, dass sich Beratungsagenturen für Sportler, wie die amerikanische IMG oder die skandinavische ISM, den Markt aufteilen werden.
Wittmann: Der Fußball ist in eine andere Dimension eingetreten. Als Einzelkämpfer wie beispielsweise Robert Schwan, der Franz Beckenbauer schon vor dreißig Jahren bei seinen Entscheidungen zur Seite stand, hat man heute keine Chance mehr. Alles spricht dafür, dass sich in Zukunft einige wenige Firmen, wie eben ISM oder auch unsere Rogon AG, den Markt teilen werden.
SPIEGEL ONLINE: Der DFB fürchtet, dass die Vereine einem solchen Machtpotenzial hilflos ausgeliefert sein könnten, etwa wenn mehrere Spieler eines Clubs bei ein und demselben Berater unter Vertrag stehen.
Wittmann: Bei uns sind 120 Spieler aus der ersten, zweiten und dritten Liga unter Vertrag. Natürlich passiert es da auch, dass mehrere Spieler eines Vereins dabei sind, wie etwa die Lauterer Mario Basler, Dimitrios Grammozis, Harry und Georg Koch. Ich sehe da aber kein Problem, denn wir leben davon, dass wir ein Vertrauensverhältnis zu den Vereinen haben. Nur wenn gegenseitiges Vertrauen da ist, können wir auch langfristig gute Geschäfte machen.
SPIEGEL ONLINE: Gute Geschäfte machen Sie doch aber vor allem dann, wenn ein Spieler den Verein wechselt. Ihr Klient Christian Timm aber ist beim 1. FC Köln geblieben, obwohl Sie ihm einen Wechsel zu Bayern München nahe gelegt haben.
Wittmann: Die finanzielle Komponente wird überschätzt. Ich habe Christian aus rein sportlichen Gründen zum Wechsel geraten, und ich bin auch heute noch hundertprozentig überzeugt, dass er der sportlichen Herausforderung gerecht geworden wäre. Ich kann aber andererseits auch seiner Argumentation folgen. Christian sagt: 'Ich brauche das Erlebnis Bundesliga jeden Samstag. In München haben sie das Rotationsprinzip, also bleibe ich zunächst in Köln.'
Roger Wittmann: 'Der Fußball ist in eine andere Dimension eingetreten'
SPIEGEL ONLINE: Mit Timm wollen Sie 'Big Brother' spielen. Bei ihm zu Hause soll eine Kamera aufgestellt werden, die rund um die Uhr Bilder für Timms Internetseite liefert.
Wittmann: 'Big Brother' ist ein sehr populäres Thema, und wenn wir wollten, hätten wir in der Tat die technischen Möglichkeiten, so etwas zu machen. Es geht uns in erster Linie um die Anbindung an die Fans. Durch das Medium Internet hat der Fan das erste Mal die Möglichkeit, permanenten Zugang zu seinen Helden zu bekommen. Während der Spieler früher nach dem Training in sein Auto gestiegen ist und dann für den Fan unerreichbar war, kann der jetzt mit dem Spieler chatten, ihn persönliche Dinge fragen - wie etwa auf den Homepages, die wir mittlerweile für 50 unserer Klienten eingerichtet haben.
SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie weitere Entwicklungsmöglichkeiten im Internet, etwa im B2B-Bereich?
Wittmann: Eine solche Informationsplattform werden wir in etwa sechs Monaten anbieten. Wenn sich der Trainer X dann für den Spieler Y interessiert, erhält er von uns ein Passwort und bekommt exakte Daten, wie er sie noch nie in seinem Leben gesehen hat. Also Laktatwerte, Schnelligkeit auf den ersten zehn, den ersten zwanzig, den ersten dreißig Metern, Stand der Verletzungen und vieles mehr. Dieses Instrumentarium wird unsere Arbeit revolutionieren.
SPIEGEL ONLINE: Müsste es, gerade auch angesichts des sich ständig erweiternden Berufsbildes des Spielerberaters, nicht eine richtige Ausbildung für diesen Job geben?
Wittmann: Vor zehn Jahren hätte ich Ihre Frage verneint. Heute aber sind wir für die Karriereplanung der jungen Spieler zu einem so großen Teil mitverantwortlich, dass es mit bloßem Handeln nach bestem Wissen und Gewissen nicht getan ist. Schließlich hängen meist gleich mehrere Menschen an einer Entscheidung: Wenn ein Spieler nach einem Wechsel unglücklich ist, dann ist auch seine Familie unglücklich. Feste Strukturen sind notwendig, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, und diese Strukturen könnte eine Ausbildung sicher am besten schaffen.
SPIEGEL ONLINE: Neue Strukturen schaffen will auch die EU, die beabsichtigt das geltende Transferrecht zu ändern. Das dürfte den Einfluss Ihrer Branche noch steigern, zu Lasten der Vereine.
Wittmann: Auch wenn Sie diese Aussage enttäuschen mag: Sollte die EU mit ihren Forderungen nach einer vielleicht sogar nur dreimonatigen Kündigungsfrist von Spielerseite durchkommen, dann wäre das der Tod des Fußballs. Natürlich würden wir kurzfristig sehr gut verdienen, schon mittelfristig aber würde das gesamte System kollabieren und alle kleinen Vereine würden zerstört werden.
SPIEGEL ONLINE: Herr Wittmann, Sie sind ja ein richtiger Altruist!
Wittmann: Wenn die Politik sich durchsetzt, wird es das, wovon der Fußball immer gelebt hat, die Identifikation der Fans mit den Spielern, nicht mehr geben. Warum hat denn etwa der Betzenberg diese ganz besondere Aura? Weil es dort Spieler gab und gibt, die immer oder zumindest sehr lange dort waren, Spieler wie 'Atze' Friedrich, Seppl Pirrung oder auch Hans-Peter Briegel. Und noch heute verbindet jeder mit dem HSV einen Uwe Seeler, mit Borussia Mönchengladbach einen Günter Netzer oder mit Eintracht Frankfurt einen Jürgen Grabowski. Wenn den Politikern nichts Besseres einfällt, als dieses neue Transferrecht zu verzapfen, dann weiß man, dass diese Leute nie etwas mit dem Fußball am Hut hatten.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben Angst, dass die Politik sich durchsetzt.
Wittmann: Ich befürchte, dass die Spieler klagen, wenn die Politiker scheitern. Ob der Fußball das dann aushalten wird, steht in den Sternen. Was wir brauchen, sind Ideen. Warum geben wird den Fußballern keinen Künstler-Status? Dann würden die Profis beispielsweise auf eine Million Mark Gehalt lediglich zehn Prozent Steuern zahlen, so dass in der Folge auch die horrenden Gehälter heruntergeschraubt werden könnten. Warum geht das in Spanien, aber hier nicht?
Im Exklusiv-Interview mit BILD machte Uli Hoeneß gestern deutlich, mit welcher Geld-Gier einige Berater der Fußball-Stars agieren. Besonders im Fall Franck Ribéry erwartet der Bayern-Manager im Sommer einen „brutalen Kampf“. Obwohl der Super-Star einen sehr gut dotierten Vertrag bis 2011 ohne Ausstiegsklausel hat — den seine Berater erst vor zwei Jahren mit dem FC Bayern ausgehandelt haben!
Ribéry-Agenten Alain Migliaccio (u.a. auch Berater von Zinedine Zidane) und Jean-Pierre Bernes (war 1994 in den Bestechungsskandal um Olympique Marseille verwickelt) bereits jetzt wieder einen Wechsel, bringen ihren „Gold-Esel“ bei europäischen Top-Teams wie Real Madrid oder Barcelona ins Gespräch.
Hoeneß erklärt den Millionen-Poker so: „Berater verdienen generell nur an Transfers, nicht, wenn der Spieler jahrelang bei dem gleichen Verein bleibt.“
Rund 10, manchmal sogar 15 Prozent (von der Ablösesumme) an Provision erhalten die Berater in der Regel von dem Verein, der „ihren“ Star kauft. Auch Provisionen vom abgebenden Klub (der die Ablöse erhält) sind nicht unüblich. Gleiches gilt für das Handgeld, das ablösefreie Spieler vorab erhalten — für ihre bloße Unterschrift des neuen Vertrages. Migliaccio und Bernes sollen für den Ribéry-Transfer von Marseille nach München 2007 rund vier Millionen Euro kassiert haben. Völlig legal.
Die Super-Summen erklären auch, warum der Einfluss der Spieler-Berater bei Wechsel-Geschäften enorm sein kann. Sie bauen Mannschaften mit auf — können sie aber auch spalten oder gar sprengen. Und das, obwohl sie zumeist nur im Hintergrund agieren, ihre Gesichter oft nur Insidern bekannt sind. So wie das Gesicht von Giovanni Branchini, der schon bei vielen Bayern-Transfers im Hintergrund mitwirkte.
Branchini zählt zu den Schatten-Managern mit gutem Leumund, ähnlich wie Juan Figer, der Berater von Zé Roberto. Er verhandelte mit den Bayern-Bossen erst kürzlich über eine Vertragsverlängerung von Zé, die immer noch aussteht. Die Entscheidung über Annahme oder Absage des Angebots treffen die beiden Brasilianer gemeinsam bis Ende April.
Die Macht der Schattenmanager: BILD sagt, wer die Macher hinter den Bayern-Stars sind — und wie groß ihr Einfluss wirklich ist...
Ende August ist es wieder so weit. Dann endet die Transferperiode im Fußballgeschäft. Der Alltag der lizensierten Spielervermittler und Spielerberater verheisst bis zu diesem Datum eine enorme Menge an Arbeit verbunden mit viel Stress. Die Anfragen von Spielern und Vereinen häufen sich und jeder versucht fieberhaft die richtigen Kontakte zu knüpfen.
Einige Spielervermittler versuchen Spieler an befreundete oder kooperierende Berater zu vermitteln, andere widerum konzentrieren sich nur auf die Erfolgversprechenden Spieler und lassen alle anderen Anfragen unbeantwortet verstreichen.
Was macht die Arbeit eines erfolgreichen Spielervermittlers heute aus und was unterscheidet ihn von einem weniger erfolgreichen Vermittler?
In den allermeisten Fällen ist es immer das Netzwerk und sind es die Kontakte, die einem Spielervermittler die Chance auf erfolgreiche Vermittlung erhöhen.In diesem Business wird viel hinter den Kulissen gearbeitet. Je Einflußreicher und bekannter ein Berater, desto größer und Qualitativ hochwertiger sein Netzwerk. Allerdings ist dies noch lange kein Grund für all die weniger bekannten Berater, den Kopf in den Sand zu stecken.
Seit ein paar Tagen existiert ein Netzwerk für lizensierte Spielervermittler im Internet, welches Ansprechpartner für Spielervermittler, Spieler sowie Vereine ist. Das Netzwerk ist für Beteiligte aus den verschiedenen Sportarten zugänglich und bietet einen höchst effektiven Mehrwert für alle Akteure im Transferbusiness. Das unter www.Spielervermittler.net erreichbare Portal vernetzt Angebot und Nachfrage. Spielerprofile und auch Gesuche werden anonymisiert eingestellt und mit einer Chiffrenummer versehen. Ein Interessent, kann gezielt in diesem Portal suchen und einen Kontakt zu dem zuständigen Vermittler oder Verein herstellen lassen. Die Bezahlung erfolgt rein Erfolgsbezogen und i.d.R. mittels einer geringen prozentualen Beteiligung am Honorar bei erfolgreicher Vermittlung. Die Spielerprofile stammen von dem Netzwerk angeschlossenen Spielervermittlern und Vereinen und werden rollierend auf Aktualität und Seriösität geprüft um einen hohen Qualitätsstand zu gewährleisten. Dem Netzwerk sind momentan rund 40 Partner angeschlossen, es ist aber in Kürze mit einer enormen Expansion zu rechnen. Bis Ende 2009 wird mit einem Volumen von ca. 500 nationalen sowie internationalen Partnern gerechnet. Partnerschaften bestehen schon heute nicht nur in Europa, sondern sogar in Brasilien, wo man diese Möglichkeit der zusätzlichen Präsentation sehr schätzt.
Spielerberater haben im Fußball einen schlechten Ruf. Sie werden in der Öffentlichkeit oft nur als Abzocker wahrgenommen, die den Vereinen das Geld aus der Tasche ziehen. Seit 1996 zählt der Pforzheimer Ronny Zeller zur Zunft der Berater. Im Gespräch verteidigt der 51-Jährige seinen Berufsstand.
PZ: Herr Zeller, kennen Sie eigentlich Karim Aklil?
Ronny Zeller: Kann es sein, dass ich den Namen schon einmal im Zusammenhang mit dem Spieler Demba Ba von 1899 Hoffenheim gehört habe?
PZ: Ja, er ist sein Berater. Wie finden Sie das Vorgehen des Herrn Aklil im Falle Demba Ba?
Zeller: Wenn es stimmt, was ich in mehreren Medien gelesen habe, dann hat er damit gedroht, dass der Spieler in der neuen Saison öfter verletzt ist, wenn der Transfer von Hoffenheim zum VfB Stuttgart nicht klappt. Das ist unterste Schublade. Das ist hochkarätig unseriös. Wozu gibt es dann überhaupt noch Verträge, muss man sich hier ernsthaft fragen.
PZ: Wozu braucht die Fußballwelt eigentlich Berater? Viele Menschen sagen, Berater seien überflüssig.
Zeller: Das ist vollkommen falsch. Es kommt natürlich darauf an, wie man den Beruf ausübt, welche Philosophie man hat. Einen Spieler richtig zu beraten ist etwas völlig anderes wie die Tätigkeit eines reinen Spielervermittlers. Der vermittelt den Spieler von A nach B, kassiert seine Provision , und das war’s. Ab der 3. Liga gibt es praktisch keinen Spieler mehr ohne Berater. Wir sorgen dafür, dass die Jungs einen Verein finden. Wir führen die Vertragsverhandlungen, neuerdings auch mehr und mehr für Trainer.
PZ: Nennen Sie ein Beispiel?
Zeller: Nehmen wir mal den Christian Eichner, den ich bekanntlich berate. Der hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Jetzt möchte er entweder beim Karlsruher SC verlängern oder den Verein wechseln. Interessierte Vereine melden sich grundsätzlich beim Berater, nicht beim Spieler. Es wäre fast schon lächerlich, wenn der Spieler bei allen Vereinen anrufen würde. Berater gibt es im Übrigen auch in der freien Wirtschaft und auch in anderen Sportarten. Nie hat sich jemand daran gestört, dass ein Michael Schumacher von Willi Weber oder ein Boris Becker von Ion Tiriac beraten wurde.
PZ: Das klingt alles so positiv. Warum haben Berater dennoch einen so schlechten Ruf? Sie werden oft Abzocker genannt. Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp sagt, ihr Einfluss sei unsäglich.
Zeller: Der schlechte Ruf kommt von den zweifellos vorhanden schwarzen Schafen. Davon gibt es leider viel zu viele. Dass Dietmar Hopp so etwas sagt hat sicher mit der Geschichte Demba Ba zu tun. Ich habe übrigens ein gutes Verhältnis zu Herrn Hopp. Wenn ein seriöser Berater irgendwo einen Deal macht, hört man davon nichts. Leider werden Berater von den Medien oft alle in einen Topf geworfen. Daher kommt das Negativimage. Wir versuchen im DFVV (Deutsche Fußballspieler-Vermittler-Vereinigung, die Red.) dagegen etwas zu tun in den nächsten Jahren. Wir sprechen in dieser Angelegenheit auch sehr viel mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL).
PZ: Wie kann man einen seriösen von einem unseriösen Berater unterscheiden?
Zeller: Zunächst kennen die Vereine die seriösen Berater aus langer Zusammenarbeit. Unseriöse Berater erkennt man schnell daran, dass sie bei Verhandlungen als erstes über ihre Provision sprechen wollen. Auf das Wort von unseriösen Beratern kann man sich nicht verlassen, sie stellen ständig Nachforderungen. So etwas macht man einfach nicht. Oder die Aussagen des Beraters von Demba Ba: so etwas geht einfach nicht. Ein seriöser Berater kümmert sich auch um den Spieler, wenn der verletzt ist oder sonst irgendwie Probleme hat – mit dem Trainer oder im Privatleben. Ich empfehle Spielern auch manchmal, mit einem Sportpsychologen zu arbeiten. Das finde ich sehr spannend.
PZ: Sie hatten als Berater auch mit regionalen Vereinen wie 1. FC Pforzheim oder FC Nöttingen zu tun. Worum geht es dabei in der Regel? Wo ist das Konfliktpotenzial?
Zeller: Es ist kurios: Ich hatte noch nie irgendwo Ärger, außer in meiner Heimatregion. Der Prophet im eigenen Lande ...? Ich bin eben absoluter Profi und das hier ist Amateurfußball. Da gibt es eben manchmal Differenzen. Die gab es aber immer nur dann, wenn ich die Interessen meiner Spieler vertreten habe – wenn sie,wie beispielsweise beim FCP vor einigen Jahren – versprochene Gelder nicht erhalten habe. Aber das ist längst ausgeräumt. Mit Herrn Steidl (Vorstandsvorsitzender des FC Nöttingen; Anm. d. Red) arbeite ich nicht mehr zusammen, weil der Spruch: „Ein Mann, ein Wort“ für ihn keine Gültigkeit besitzt.
PZ: Wie hat man sich das dann vorzustellen, wenn ein Spieler von Ihnen, wie beispielsweise Thomas Ollhoff, zum FC Nöttingen wechselt?
Zeller: Ich habe noch einige Spieler in Nöttingen. Die treffen sich dann mit mir, stimmen alles ab, und machen den Rest dann alleine. Ich rate keinem Spieler davon ab, in Nöttingen zu bleiben. Wenn es passt vom Beruf oder von der Ausbildung, würde ich da nie etwas dagegen sagen.
PZ: Wie wird man eigentlich Berater?
Zeller: Ich bin Berater, seit 1996 die Lizenz eingeführt wurde. Man brauchte ein polizeiliches Führungszeugnis, eine Genehmigung vom Landesarbeitsamt und musste eine Prüfung beim DFB ablegen. Ich bin alleine eine Stunde und 40 Minuten geprüft worden. Das war heftig. Wir hatten eine Durchfallquote von 75 Prozent. Bei der Fifa musste man noch 200 000 Schweizer Franken als Kaution hinterlegen. Heute ist das alles anders. Die Prüfung ist inzwischen ein Test im Multiple-Choice-Verfahren.
PZ: Reicht denn dieser Eignungstest mit einem Fragebogen?
Zeller: Schwierige Frage. Wenn einer denkt, er macht mal kurz diese Prüfung und ist dann Spielerberater, dann reicht das sicherlich nicht. Wenn jemand vorher nichts mit dem Fußball zu tun hatte, ist das sehr schwer, weil einfach die nötigen Kontakte fehlen. Die muss man sich in vielen, vielen Jahren erarbeiten.
PZ: Was verdient ein Berater?
Zeller: Das kann man pauschal nicht sagen? Es gibt Richtwerte. Die bewegen sich um plus minus zehn Prozent vom Grund-Jahresgehalt des Spielers. Das ist aber alles frei verhandelbar.
PZ: Stimmt es, dass Berater ein Interesse daran haben, dass der Spieler oft den Verein wechselt, weil sie dann besonders viel verdienen?
Zeller: Vollkommen falsch. Das habe ich auch schon oft bewiesen. Christian Eichner ist im vergangenen Jahr beim KSC geblieben, trotz zahlreicher Anfragen. Ähnlich ist es mit Heiko Butscher von Freiburger SC, der hatte auch viele Angebote und bleibt in Freiburg. Oder ganz aktuell: Godfried Aduobe vom KSC. Der finanzielle Rahmen ist wichtig, aber auch das Gesamtpaket muss für den Spieler passen, Trainer, Umfeld, Fans etc.Wir werden übrigens auch für Vertragsverlängerungen bezahlt.
PZ: Wie früh nimmt ein Berater mit jungen Talenten Kontakt auf. Man hört, dass schon Zwölfjährige mit Beratern zusammenarbeiten?
Zeller: Damit habe ich ein Riesenproblem. Ich habe bisher nur mit Spielern zusammengearbeitet, die 18 sind. Aber da hat sich in letzter Zeit viel verändert. Ich muss mich den Veränderungen anpassen und bin gerade im Gespräch, für das Gebiet hier einen ehemaligen Jugendtrainer und ausgebildeten Fußball-Lehrer hinzuzunehmen, der das Scouting macht. Wenn es interessante Spieler gibt werde ich mit denen über Mitarbeiter zusammenarbeiten. Ich werde aber nach wie vor keine Verträge machen mit Spielern unter 18.
PZ: Sie engagieren sich im DFVV (Deutsche Fußballspieler-Vermittler-Vereinigung). Was tun Sie da und warum?
Zeller: Ich bin da im Vorstand, regional zuständig für den Süden. Unser Ziel ist es, in ganz enger Zusammenarbeit mit DFB und DFL unser Image aufzupolieren und illegale Praktiken aufzudecken. Übrigens: die ganzen unsauberen Geschäfte mit den unseriösen Beratern sind nur deshalb möglich, weil die andere Seite das Spielchen mitmacht. Da sind ganz klar die Manager der Vereine gefragt. Kurios ist, dass nur wir lizenzierte Berater bestraft werden können vom DFB, denn die illegalen Berater sind ja nicht greifbar. Man muss fairerweise aber sagen: es gibt auch unseriöse lizenzierte Berater.
PZ: Haben Sie ein persönliches Ziel in dem Verband?
Zeller: Unsere Kinder sollen irgendwann mal mit Stolz sagen können: Mein Vater ist Spielerberater, wenn sie nach dem Beruf gefragt werden.
59 Spielerberater kämpfen auf dem kleinen Schweizer Fussballmarkt um jeden Spieler. Das kann nicht gut gehen.
Neben Geldwäscherei, Stimmenkauf, Wettskandalen und anderen kriminellen Tätigkeiten ist die Abwicklung von Spielertransfers mit all ihren Mechanismen etwas vom Schmutzigsten im modernen Fussball», hat FCB-Mittelfeldspieler Ivan Ergic in einem Aufsatz für die «SonntagsZeitung» einmal geschrieben. Ergic wechselte als junger Fussballer aus Australien zu Juventus, von Turin wurde er direkt an den FC Basel ausgeliehen. «Mein Vater und ich realisierten, dass wir nur uns selbst vertrauen konnten, nachdem wir erkannt hatten, wie unser angeblicher Berater sich in einen Interessenvertreter anderer Beteiligter verwandelte», erzählte Ergic auch. Und seine Bilanz war: «Für mich ist diese Kaste von Beratern und Agenten mit sehr wenigen Ausnahmen eine Gruppe von Parasiten.»
59 dieser Agenten und Berater sind in der Schweiz lizenziert. Frühere Spieler, (Sport-)Journalisten, Weinhändler, Immobilienmakler, Versicherungsagenten, Kaufmänner. Sie sind gemäss Fifa-Definition «Spielervermittler; eine natürliche Person, die gegen Entgelt Spieler bei einem Verein vorstellt, um Arbeitsverträge auszuhandeln...» Ein tadelloser Leumund und eine bestandene Prüfung sind Grundvoraussetzungen für die Lizenz. Anwälte können ohne Lizenz als Spielerberater auftreten. Sie tun es immer öfter.
Die Probleme mit der Fifa-Lizenz
59 Spielervermittler, Spielerberater, Spieleragenten in der Schweiz: Das sind 38 mehr als noch 2001. Das sind 9 mehr als in Portugal, einem erfolgreicheren Fussballland mit bedeutenderen Spielern und grösseren Möglichkeiten. 35 mehr als in Österreich. 59, die in diesen Markt mit beschränktem international tauglichem Spielerangebot drängen und mitverdienen wollen. Einer von ihnen hat vor kurzer Zeit auf einen Artikel eines Journalisten des «Tages-Anzeigers» reagiert, indem er ihn auf dem GC-Trainingsgelände in Niederhasli tätlich angriff und verletzte.
«Die Fifa-Lizenzierung hat dem Geschäft nichts Gutes gebracht. Man kann sie zu einfach erhalten», sagt Dino Lamberti (39), ehemaliger Kaufmann, seit zehn Jahren im Geschäft und mit dem Ruf eines korrekten Geschäftspartners. Die Fifa-Lizenzierung hat auch den Beruf ins Rampenlicht gebracht, viele vom schnellen Geld träumen lassen, lusche Figuren angezogen. Wenn einige Spielervermittler ständig in den Medien über bevorstehende Transfers sprechen, hat das für den Deutschen Wolfgang Vöge nichts mit Professionalität zu tun. Auch er, der ehemalige Profi von Dortmund, Leverkusen, Lugano, Winterthur und dem FCZ, hat sich als Leiter einer Spielervermittlungs-Agentur in Winterthur ein gutes Ansehen erarbeitet. Vöge sagt: «Ein Anwalt wird doch auch nie mit Zeitungen über die Geschäfte mit seinen Kunden sprechen.»
Spielervermittler generieren ihr Einkommen mit Anteilen am Spielerlohn, an der Ablösesumme oder mit einem Vermittlungshonorar, das meist der neue Klub übernimmt (und das Salär des Spielers entsprechend mindern kann, was die Spieler oft nicht erfahren). Super-League-Spieler generieren selten Umsatz genug, um ihrem Berater interessante Provisionen zu generieren. Viel Geld lässt sich erst mit der Beteiligung an einem Transfer in eine der fünf grossen europäischen Ligen lösen.
Wird der Spielerberater seinem Namen gerecht, plant er die Karriere seines Klienten nachhaltig. Lamberti bietet vom Vertragsabschluss bis zum persönlichen Physiotherapeuten alle Möglichkeiten an und hofft, die Spieler mit komplettem Service auf Dauer an sich binden zu können. Von Lehrbuch-Beratern kann in diesem Geschäft allerdings nicht ausgegangen werden. «Alle müssen überleben. Das führt dazu, dass viele nach ihrem Geschäftsinteresse arbeiten und die Beraterfunktion zu wenig wahrnehmen», urteilt FCZ-Sportchef Fredy Bickel.
Das ist zwar vor allem, aber nicht nur die Schuld des Beraters. Die Spieler verlangen schnelle Aufstiege und bessere Verträge. Sie verabschieden sich vom alten Berater, wenn ihnen der neue mehr verspricht. «Der Berater muss naturgemäss Interesse an einem Klubwechsel haben», sagt Bernhard Heusler, Anwalt, Vizepräsident und Verantwortlicher für Transferfragen beim FC Basel, «das darf man auf keinen Fall als Vorwurf an die Branche konstruieren. Das ist eine wertungsfreie Tatsache, die den Gesetzmässigkeiten in diesem Markt entspricht.»
Gefährliche Abhängigkeiten
Zu den Gesetzmässigkeiten des Marktes gehört auch, dass manche Spielervermittler moralische, ethische und rechtliche Grundsätze schnell vergessen, wenn ein Geschäftsabschluss lockt. Sie jagen sich gegenseitig die Spieler ab. Sie versuchen, sich in laufende Transfergeschäfte einzuschleusen. Auch ohne Mandatsverhältnis bieten sie Spieler Klubs an – und hoffen, dass bei Interesse das Mandatsverhältnis quasi nachgeschoben wird. Es ist der Normalfall, dass beim ersten Auslandtransfer nicht mehr der gleiche Berater mit am Tisch sitzt, der für den Spieler den ersten Super-League-Vertrag ausgehandelt hat, sondern ein Konkurrent.
Darunter leiden in erster Linie die seriösen Berater. Nicht selten bestehen Abhängigkeiten zwischen den beteiligten Parteien, die die Geschäfte noch undurchsichtiger machen können: Wenn zum Beispiel ein Spielervermittler überdurchschnittlich viele Spieler desselben Klubs betreut. Wenn Trainer und Spieler eines Vereins denselben Berater haben. Oder wenn Berater Medien instrumentalisieren, um die Preise ihrer Klienten hochzutreiben.
Für einen Transfer würden alle erlaubten und unerlaubten Mittel mobilisiert, schrieb Ergic. Das illustrieren ein paar wahre Anekdoten, erzählt von Spielern und Klubvertretern aus der Schweiz, die in diesem Zusammenhang ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen:
Ein Spielervermittler hat von einem Premier-League-Klub den Auftrag, einen Spieler aus seinem Vertrag mit einem anderen Schweizer Klub freizukaufen. Zuerst wird der Spieler mit einem Lohnangebot gelockt. Dann verhandelt der Spielervermittler innerhalb der vom neuen Klub gesetzten Leitplanken mit dem alten Klub über die Ablösesumme (in der Schweiz sind solche Vereinbarungen zwischen Klubs und Berater selten, in den grossen Ligen kommen sie immer wieder vor). Dabei wechselt er die Seiten, denn er vertritt nun nicht mehr nur die Interessen des Auftraggebers, sondern auch seine eigenen. Er schlägt dem alten Klub vor, die Ablösesumme gemeinsam hochzudrehen – im Gegenzug beansprucht er eine Tranche davon.
Ein Spielervermittler bietet einen Spieler, den er vertritt, dem Sportchef eines Klubs an. Er sagt ihm: «Wenn du diesen Spieler für deinen Klub verpflichtest, wirst du selbst auch nicht zu kurz kommen.»
Ein Spielervermittler sagt einem Nationalspieler, von dem er kein Mandat hat: «Dieser englische Klub will dich verpflichten und hat mich beauftragt, dich dorthin zu bringen.» Er zeigt ihm auch das schriftliche Angebot des Klubs, es sieht mit Briefkopf echt aus. Der Spieler lässt über eine Vertrauensperson prüfen, ob tatsächlich Interesse besteht. Es stellt sich heraus, dass das Angebot eine Fälschung ist und der Manager des englischen Klubs nicht einmal den Namen des Spielers kennt.
Ein Spieler möchte trotz laufendem Vertrag den Klub wechseln. Die Modalitäten hat er mit seinem Berater und den zwei Klubs schon ausgehandelt, die Ablösesumme bewegt sich im tiefen Millionenbereich. Am Montag soll er zu seinem neuen Klub fahren, um den Vertrag zu unterschreiben. Am Sonntagabend erhält er vom Berater einen Anruf, er solle sofort in die Geschäftsstelle des alten Klubs kommen. Dort wird ihm ein Dokument vorgelegt, bei dessen Unterzeichnung er auf die ihm einst vertraglich zugesicherten 25 Prozent der Ablösesumme verzichtet. Der Spieler unterschreibt, weil der Klub ihn sonst nicht freigeben wird. Vom Berater kommt keine Hilfe, der ist nur am Zustandekommen des Geschäfts interessiert.
Drei Bundesordner voll mit Dokumenten stehen im Büro von Fredy Bickel. Es sind alphabetisch geordnete Spielerdokumentationen, die er seit Saisonbeginn von Spielervermittlern bekommen hat. 42 allein unter dem Buchstaben A. Es gebe Spielerberater, bei denen er jegliches Vertrauen verloren habe, erzählt er. Mit den Personen auf seiner persönlichen schwarzen Liste verhandelt Bickel nicht mehr. Er nimmt in Kauf, einen Spieler zu verlieren. Und glaubt, dass es sich lohnt, fair zu spielen. «Gute Arbeit wird sich langfristig durchsetzen», sagt auch Wolfgang Vöge. Doch beide wissen: Es werden sich auch viele unseriöse Berater halten können.
«Bei dreien bin ich auf die Nase gefallen»
GC-Verteidiger Boris Smiljanic begegnet Beratern skeptisch – und hat trotzdem einen.
FCZ-Sportchef Fredy Bickel und Basels Vizepräsident Bernhard Heusler könnten als Klubvertreter die natürlichen Feinde des Spielerberaters sein. Sie finden jedoch, der Berater habe seine Berechtigung, wenn er seinen Job ernst nehme. Er könne mit seinen Kontakten vor allem bei Auslandtransfers wichtige Arbeit leisten. «Innerhalb der Schweiz jedoch braucht es nicht zwingend einen Berater», sagt Bickel. Beim FCZ und beim FCB verhandelten zuletzt einige Profis alleine. Für Bickel wie Heusler ist wichtig, dass Spieler ohne Berater nicht schlechter wegkommen.
U-21-Nationalspieler Jérôme Thiesson ist einer dieser Spieler. Er hat seine Vertragsverlängerung beim FCZ kürzlich selbst ausgehandelt, weil er «nicht das Gefühl hatte, ich werde hier über den Tisch gezogen». Bereits im U-18-Nationalteam hatten fast alle seine Teamkollegen einen Berater. Diese seien ein grosses Thema bei den jungen Spielern, und wenig geschätzt werde vor allem, wenn der Spieler nicht erfahre, was der Berater bei einem Geschäftsabschluss verdiene. Thiesson sagt: «Hätte ich mehr Vertrauen und weniger Geschichten über sie gehört, hätte ich vielleicht längst blind irgendwo bei einem Berater unterschrieben.»
Beim vierten Berater in seiner Karriere ist GC-Verteidiger Boris Smiljanic (32) angekommen. Er sagt: «Bei dreien bin ich auf die Nase gefallen. Aber auch beim vierten gibt es Dinge, über die wir uns streiten.» Mittlerweile benötigt Smiljanic nur noch einen juristischen Experten zur Überprüfung seiner Verträge. Auch er glaubt, dass ein Spielervermittler allein bei Auslandtransfers notwendig ist, rät aber jungen Profis trotzdem, bei Vertragsverhandlungen einen Berater beizuziehen als Gegengewicht zu den erfahrenen Klubvertretern. Und er findet es auch wichtig, bei allen Terminen selbst anwesend zu sein.
Für den ehemaligen Nationalspieler Alain Sutter ist entscheidend, wie viel Selbstverantwortung der Spieler abgeben will und auf wen er sich einlässt. Sutter findet, er habe während seiner Karriere «in gesundem Mass» Ratschläge angenommen und sich in den freundschaftlichen Beziehungen mit seinen Beratern neue Blickwinkel eröffnen lassen. «Das war absolut befruchtend.»
Sogar die EU-Kommission beschäftigte sich bereits mit den Spielerberatern, ohne die kein Profi-Fußballer heutzutage mehr auskommt. Geldwäsche und Korruption waren nur zwei Stichworte in Brüssel über eine Branche, in der ein rücksichtsloses Hauen und Stechen um Klienten und Kohle alltäglich ist.
Bei allen Spielerwechseln auf dem Erdball kassieren sie kräftig ab, teils sind es Millionenbeträge. Fünf bis zehn Prozent des Vertragsvolumens, so ein ungeschriebenes Gesetz, werden an Provision an die Vermittler gezahlt. Und weil die Freundschaft beim Geld bekanntlich aufhört, geht es vielen Vermittlern mehr um den schnöden Mammon als um die Zukunft ihrer Schützlinge.
'Für 90 Prozent meiner Kollegen', sagt ein etablierter Berater, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, 'würde ich nicht meine Hand ins Feuer legen. Denen geht's nur um die Kohle.' Oder um Macht. Oder um beides. Was der Branche ein erhebliches Imageproblem beschert hat, unter dem auch die seriösen Vertreter leiden.
Man ist sich nicht grün in der Szene, der Konkurrenzkampf ist gnadenlos. Abwerbeversuche gehören zum Alltag. 'Wir müssen als Agentur versuchen, ständig unser Spieler-Portfolio zu optimieren', beschrieb es Lars-Wilhelm Baumgarten (37), Boss von 'Stars & Friends' und Mitbegründer der Vereinigung deutscher Spielervermittler DFVV, die laut Baumgarten unter anderem dazu dienen soll, 'unseren Ruf zu verbessern'.
Es gibt allerdings auch etliche Kritiker des DFVV, der derzeit 47 Mitglieder zählt. 'Da wird der Eindruck erweckt, eine lose Gruppe von Leuten ohne Sachkenntnis und rechtliche Legitimation sei qualifiziert, die Interessen der Spieler wahrzunehmen', formulierte es Dr. Michael Becker im 'Stern'. Der Jurist ist unter anderem Berater von Michael Ballack und weiß durchaus um die Chance, Politik zu machen. Es ist kaum anzunehmen, dass das viel diskutierte Ballack-Interview in der 'FAZ', in dem er Bundestrainer Löw attackierte, vorher nicht auf Beckers Schreibtisch gelegen hat. Der Mitfünfziger zählt zu den Granden des Business und verfährt nach einem Motto: Jeder Spieler hat den Berater, den er verdient.
Darunter gibt es laut Berater Jörg Neubauer auch viele schwarze Schafe. 'Die Klubs kennen diese Leute', sagte der Berliner der 'Zeit', 'und trotzdem setzen sie sich mit den Schlimmsten der Branche regelmäßig an einen Tisch'. Namen fallen öffentlich nicht. Beispiele für schwer nachvollziehbare Vorfälle indes gibt es genug.
So vermittelte Dusan Bokovac seinen Schützling Timo Hildebrand gegen eine stattliche Summe zum FC Valencia, obwohl dessen Trainer den Keeper gar nicht wollte. Wolfgang Fahrian soll eine immens hohe fünfstellige Summe vom 1. FC Kaiserslautern kassiert haben, weil er eine Telefonnummer von Verteidiger Taribo West rausrückte. Ex-Profi Fahrian (57) arbeitet für Branchenführer Rogon. Die von Roger Wittmann (48) geführte Firma machte anno 2002 Schlagzeilen, als sie zwölf Spieler des Kaiserslauterer Kaders unter Vertrag und überhöhte Provisionen vom damaligen FCK-Boss kassiert hatte. Der hieß Atze Friedrich - und arbeitet heute für Rogon.
Bei Viertligist Holstein Kiel betrachten die Fans aktuell die Einflussnahme von Steffen Schneekloth (45) mit Argwohn. Der Anwalt hat nicht nur 13 Akteure des Holstein-Aufgebots unter seinen Fittichen, sondern agiert offiziell auch als Präsidiums-Berater und fädelte kürzlich die spektakuläre Verpflichtung von Trainer Falko Götz ein.
DFB und DFL stehen dem Tun mangels Statuten größtenteils hilflos gegenüber - es sei denn, man treibt es auf die Spitze. Die TuS Koblenz verpflichtete über den nicht lizensierten Berater Abdilgafar Ramadani die Serben Branimir Bajic und Marko Lomic von Partizan Belgrad, zahlte dafür überhöhte Provisionen und verschwieg der DFL die wahre Höhe der Ablösesumme. Die Folge: acht Punkte Abzug für die vergangene und drei Punkte Abzug für die laufende Saison.
So wird man Berater
Für die Tätigkeit als Spielerberater (-vermittler, -agent) wird eine von der FIFA ausgestellte Lizenz benötigt, die beim DFB beantragt werden kann. Voraussetzung für den Lizenzerwerb ist der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung, ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis sowie das Bestehen einer theoretischen Prüfung. Des Weiteren ist grundsätzlich eine einmalige Gebühr in Höhe von 5000 Euro an den DFB zu entrichten, die aber zumindest bisher nicht erhoben wurde.
Die theoretische Prüfung hat Fragen aus dem Regelwerk der FIFA, des DFB und des Ligaverbandes zum Inhalt und findet weltweit zeitgleich zwei Mal jährlich statt. Bewerben kann man sich über die Homepage des DFB (www.dfb.de). Wegen des umfangreichen Prüfungsstoffes fallen bis zu 90% der Kandidaten durch.
Allerdings kann man die Prüfung auch relativ simpel umgehen, indem man sich einen Rechtsanwalt ins Boot holt. Der benötigt ebenso keine Lizenz wie Geschwister, Ehegatten und Elternteile eines Spielers.
Knut auf dem Berge führte neun Monate lang ein Doppelleben. Der Deutsche recherchierte im Auftrag der BBC im englischen Profifußballmilieu - mit versteckter Kamera und mit fingierter Legende. Seine Ergebnisse legen nahe, dass Schmiergeldzahlungen in der Branche an der Tagesordnung sind.
Hamburg – Knut auf dem Berge sitzt in einem kleinen Café mit Blick auf die Elbe und dreht sich eine Zigarette. Etwas, worauf er lange verzichten musste – zur Tarnung. Selbstgedrehte passen nicht in jene Welt, in der er sich im letzten Dreivierteljahr bewegt hat.
Der Deutsche mischte mit in den Kreisen international agierender Spielervermittler. Unter den Beratern gibt es auch dubiose Geschäftsleute, die - treffen die BBC-Recherchen zu - Trainer renommierter Vereine schmieren, um eine nie versiegende Geldquelle aus Transferentschädigungen und Provisionen zu hegen. In der Welt der Firstclassflüge und geheimen Treffen in teuren Hotels spielt Geld vorgeblich keine Rolle – beherrscht aber insgeheim alles.
Im vergangenen Herbst wäre alles fast vorbei gewesen. Auf dem Berge saß im Restaurant eines Hotels im Londoner Vorort Croydon, um mit einem Spielervermittler und dessen Assistenten über die Fußballbranche zu reden. Der Deutsche war seinen Gesprächspartnern seit längerem gut bekannt, man hatte schon häufiger zusammen gesessen.
Doch das Treffen verlief anders, als auf dem Berge es sich vorgestellt hatte. Der Assistent des Vermittlers schaute ihn lange an, lächelte und sagte: 'Was, wenn du von der Presse bist? Du könntest doch mit einer versteckten Kamera hier sitzen.' Einige Sekunden Schweigen. 'Das Herz schlug mir bis zum Hals', erinnert sich auf dem Berge.
Der Mann ging auf ihn zu. 'Vielleicht hast du sie irgendwo an deinem Körper versteckt', sagte er, grinste und tastete auf dem Berge mit der Hand ab. Die Runde lachte lauthals – der Deutsche nicht. Sein Gesprächspartner hatte exakt jene Stelle berührt, an der er seit Monaten eine winzige versteckte Kamera trug. Dass er an diesem Tag nicht aufflog, war purer Zufall.
Mehrere Teammanager sollen geschmiert worden sein
In diesem Moment wären auf dem Berges Recherchen fast mit einem Schlag beendet gewesen – Recherchen, die in diesen Wochen den englischen Fußball erschüttern. Der einstündige BBC-Film 'Die schmutzigen Geheimnisse des Fußballs' stürzt die Branche in einen der größten Korruptionsskandale ihrer Geschichte.
Dem 42-jährigen Deutschen Knut auf dem Berge kam bei den Ermittlungen die zentrale Rolle zu: Er gab vor, Repräsentant eines amerikanischen Investors zu sein und drang auf diese Weise in die Hinterzimmer der Mächtigen des englischen Fußballs vor. Was er enthüllte, ist ein Geflecht aus Männerfreundschaften, Abhängigkeiten und Schmiergeldzahlungen in Zusammenhang mit Spielertransfers. Mehrere Teammanager sollen illegale Zahlungen, so genannte 'bungs' erhalten haben oder zumindest ihre Bereitschaft erklärt haben, Geld anzunehmen.
Die öffentliche Reaktion auf die Rechercheergebnisse war enorm. Nach der Ausstrahlung des Films vor rund zwei Wochen lief bei der BBC der Server heiß: Über mehrere Stunden wurden auf dem Berge und der Journalist Alex Millar mit E-Mails überschwemmt, etwa 85 pro Sekunde, erzählt man sich in der Redaktion.
Juristische Schlacht um Vorwürfe beginnt
Der Film bringt einige Größen des englischen Fußballs in arge Bedrängnis. So beschuldigen drei Spielervermittler den Teammanager des Premiere-League-Clubs Bolton Wanderers, Sam Allardyce, Schmiergeld genommen zu haben. Unter anderem soll er für die Verpflichtung des israelischen Nationalspielers Ben Haim rund 75.000 Euro von einem Spielervermittler kassiert haben. Die Zahlung sei über Allardyces Sohn Craig abgewickelt worden, einen lizenzierten Spielerberater, den Bolton allerdings zeitweise wegen massiver Bedenken als Geschäftspartner ausgeschlossen hatte.
Allardyce bestreitet die Vorwürfe und kündigte rechtliche Schritte gegen die BBC an. Der Trainer, der sogar einmal Chancen auf den Nationaltrainer-Posten hatte, bezichtigt die Berater aus dem Film der Lüge. Selbst sein Sohn, der die Schmiergeldzahlung vor der Kamera bestätigt hatte, habe nicht die Wahrheit gesagt, sondern sich nur wichtigmachen wollen. Die drei Agenten haben ihre Aussage inzwischen zurückgezogen: Man habe die illegalen Transaktionen nur vorgetäuscht, um herauszufinden, wer dieser Knut auf dem Berge wirklich sei.
Andere Anschuldigungen hatten hingegen schon Folgen für die dubiosen Helden des Films: Newcastle United hat seinen Co-Trainer Kevin Bond entlassen. Er hatte sich vor versteckter Kamera bereit erklärt, Schmiergeld anznehmen. Bond stand zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch in Diensten des FC Portsmouth, dessen Cheftrainer Harry Redknapp unter Verdacht steht, gegen Transferregeln verstoßen zu haben. Beide bestreiten alle Vorwürfe. Bond kündigte juristische Schritte an, 'um meine Ehre zu verteidigen und meine Karriere und Existenz wiederherzustellen'.
'Ich habe die schmutzige Seite des Geschäfts gesehen'
Die Idee für die verdeckte Recherche wurde vor gut einem Jahr geboren, als Knut auf dem Berge mit einem befreundeten BBC-Journalisten über dunkle Machenschaften im Profifußball diskutierte. Beweisen konnten beide ihre Thesen zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Doch Gerüchte über kriminelle Praktiken in der Branche waren für auf dem Berge nichts Neues.
Der gebürtige Nienburger, der seit acht Jahren in London lebt und die Uefa-Trainerlizenz besitzt, tummelt sich seit geraumer Zeit im englischen Fußball. Er trainierte Amateurclubs, betreute für einige Monate die Nationalmannschaft der Karibikinsel Montserrat, organisierte Trainingslager für ein nigerianisches Junioren-Nationalteam und arbeitete als Jugendtrainer und Scout für den FC Chelsea.
Oft hatte er mehrere Jobs gleichzeitig. Er war zur Stelle, wo immer er seinen Traum verwirklichen konnte, mit seiner Leidenschaft Fußball den Lebensunterhalt zu verdienen. Schnell bemerkte er, dass es nicht immer sauber zugeht in der Multimillionenbranche. 'Manche Machenschaften haben mich an modernen Sklavenhandel erinnert', sagt auf dem Berge, 'ich habe die schmutzige Seite des Geschäfts gesehen.'
Der preisgekrönte BBC-Journalist Alex Millar und auf dem Berge beschlossen, den Deutschen in das dubiose System einzuschleusen. Sie erfanden die Legende des amerikanischen Investors, der groß ins Vermittlungsgeschäft einsteigen wolle. Auf dem Berge, der ja in der Branche nicht unbekannt war, sollte als dessen Repräsentant Türen bei Vermittlern und Vereinen öffnen.
Die BBC mietete ein Büro im feinen Londoner Stadtteil Westminster – eine Tarnadresse, von der aus eine Sekretärin Anrufe für die fiktive Firma 'Dynamic Soccer' annahm. Auf dem Berge nutzte seine Kontakte, um erste Gesprächstermine mit Größen der internationalen Vermittlerszene zu bekommen. 'Es war unglaublich, wie schnell das geklappt hat', sagt er, 'wenn man diesen Leuten glaubhaft versichern kann, dass die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, bekommt man leicht Zugang.' Geheime Treffen in Hotels und Ausflüge mit Geschäftspartnern in Nachtclubs standen nun auf der Tagesordnung - Aufnahmegerät und versteckte Kamera immer dabei.
'Selbst meine Freunde wussten nicht, wo ich wohnte'
Auf dem Berge krempelte sein Leben neun Monate lang komplett um. Als Lockvogel im teuren Anzug stellte er sich seinen Zielpersonen quasi rund um die Uhr zur Verfügung. Sollte er am Flughafen abgeholt werden, stellte er sich an den Firstclass-Schalter, obwohl er in der Touristenklasse geflogen war. Seine Recherchen führten ihn durch halb Europa. 'Wir sind gerade in Frankreich', habe ein Agent am Telefon gesagt, 'kommst du kurz rüber?' Prompt machte er sich auf den Weg, immer bemüht, die Legende vom angehenden Global Player der Fußballbranche aufrechtzuerhalten. Die BBC hat große Mühe darauf verwendet, seine Sicherheit zu gewährleisten. 'Selbst meine Freunde wussten in dieser Zeit nicht, wo ich wohnte, geschweige denn, wo ich mich gerade aufhielt.'
Warum diese Strapazen? 'In dieser Branche halten viele die Hand auf. Hoch bezahlte Trainer und Manager verdienen illegal an Transfers, über deren Zustandekommen sie maßgeblich mitentscheiden', so auf dem Berge. 'Leidtragende sind die Fans, die diese Deals über teure Stadiontickets und hohe Preise für Merchandisingprodukte finanzieren müssen.' Er wolle dabei mithelfen, die dunklen Geschäfte aufzudecken, 'vielleicht ändert sich dann ja etwas'.
Er könne gut damit leben, sich Feinde in der englischen Fußballszene geschaffen zu haben. 'Wir werden sehen, was die offiziellen Ermittlungen ergeben', so auf dem Berge, 'erst einmal fühle ich mich einfach nur von einer Last befreit.'
80 Transfers werden genauer untersucht
Der Korruptionsverdacht wird den englischen Fußball noch Monate beschäftigen, womöglich sogar Jahre, falls es zu langwierigen Prozessen kommt. Schon im Februar, als Mike Newell, Trainer von Luton Town, ähnliche Vorwürfe in der Öffentlichkeit erhoben hatte, beauftragte der englische Fußballverband FA einen speziellen Ermittler, der Sache nachzugehen. Lord John Stevens, Ex-Chef von Scotland Yard und eine Legende auf der Insel, wird seine Erkenntnisse heute dem Verband mitteilen.
Britischen Zeitungen zufolge ist Stevens offenbar fündig geworden. Seine Hinweise auf illegale Transaktionen sollen noch weitreichender sein als jene der BBC: Er werde der FA empfehlen, 80 Transfers genauer zu untersuchen, darüber hinaus werde er die Fifa einschalten. 'Lord Stevens war schockiert vom Umfang dessen, was er aufgedeckt hat und hegt den klaren Verdacht, dass Schmiergelder im Spiel waren' – so zitiert die Zeitung 'News of the World' einen FA-Funktionär.
Knut auf dem Berge bestellt sich noch einen Kaffee, blickt auf die Werft am anderen Ufer der Elbe und sagt, dass er es genieße, keine Geheimnisse mehr vor seinen Freunden zu haben – fast keine zumindest. Er weiß, dass er einigen einflussreichen Leuten mit seinen Recherchen geschadet hat. 'Zur Zeit wechsle ich noch häufig meinen Wohnort und die Mobilfunknummer.'
Bundestrainer Joachim Löw und Assistenztrainer Hans-Dieter Flick gaben am Donnerstag beim 55. Fußball-Lehrer-Lehrgang in der Kölner Hennes-Weisweiler-Akademie weitere Einblicke in die Arbeit mit der deutschen Nationalmannschaft.
Thema ihres Vortrages waren die 'Erkenntnisse aus der Europameisterschaft 2008'. Bereits in der vergangenen Woche hatten Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick aus Sicht eines Bundesligaklubs und der langjährige DFB-Auslandsexperte Karlheinz Weigang, der sich bei seinen Ausführungen auf das Ausland konzentrierte, über 'Aufbau und Führung eines Teams um das Team' referiert.
Kölns Coach Christoph Daum hatte über die 'Periodisierung und Trainingsplanung bezogen auf eine Vereinsmannschaft' ein Referat gehalten. Zuvor hatte Andreas Rettig, Manager von Zweitbundesligist FC Augsburg, zu den Lehrgangsteilnehmern über 'Kaderzusammenstellung, Zusammenarbeit und Verhältnis zwischen Manager und Cheftrainer' gesprochen.
Außerdem referierten Arnd Hovemann von der Beratungsfirma Ernst & Young zum Thema 'Finanzen im Fußball, Generierung von Geldern, Competitive Balance im Fußball' und der FIFA-lizenzierte Spieleragent Guido Nickolay über die 'Tätigkeit eines Spielerberaters'.
fußball Hamburg: Herr Pomorin. Worüber wollen wir reden? Geld oder Kontakte?
Mark Pomorin: Wir können über alles reden. Gehört ja beides zum Job.
fußball Hamburg: Sie haben gute Kontakte?
Pomorin: Jede Stunde werden sie besser.
fußball Hamburg: Und damit auch der Kontostand?
Pomorin: Nein, so einfach läuft das in dem Bereich auch nicht. Es ist viel, viel Arbeit. Ganz anders, als es sich viele Leute vorstellen.
fußball Hamburg: Wie viel Einfluss haben Sie auf Fußballer?
Pomorin: Ein guter Spielerberater hat sehr viel Einfluss auf die Spieler. Egal welche Kategorie. Vom jungen Talent in der Oberliga bis hin hoch in die Champions League. So gelingt den Top-Leuten unter den Spielerberatern eben auch, dass einer wie zum Beispiel Franck Ribery ihnen zuhört.
fußball Hamburg: Mit welchen Spielern arbeiten Sie?
Pomorin: Wir sind ein Team von vier Leuten und Per Mertesacker ist sicherlich der prominenteste Kandidat.
fußball Hamburg: Der Beruf Spielerberater hat ein schlechtes Image.
Pomorin: Früher war das sicher so. Inzwischen hat die Fifa ein Lizenzierungsverfahren. Jeder muss beim DFB eine Prüfung ablegen. Aber schwarze Schaafe gibt es überall.
fußball Hamburg: Jeder kann Spielerberater werden?
Pomorin: Absolut. Aber eine gewisse Affinität zum Fußballgeschäft ist sicher von Vorteil.
fußball Hamburg: Wie lief das bei Ihnen?
Pomorin: Ich war mit Jasmin Bajramovic in Thun. Der Fußballverein in der Schweiz. Da durften wir etwas hinter die Kulissen blicken. Und etliche Bekannte aus meinem Umfeld waren ja schon in der Szene tätig. Insofern war der Weg für mich nicht so weit.
fußball Hamburg: Wie läuft so eine Ausbildung zum Spielerberater ab?
Pomorin: Viel lernen. Ich habe fast ein halbes Jahr die DFB-Statuten und das Fifa-Reglement studiert. Das sind wirklich anspruchsvolle Akten. Am Ende liefert jeder angehende Spielerberater eine Prüfung ab. Und dort fallen in der Regel 80 Prozent der Teilnehmer durch. Viele unterschätzen den Job.
fußball Hamburg: Wie sieht so ein Tag bei Ihnen aus?
Pomorin: Aufstehen, Laptop an, E-Mails abrufen. Mit den Kollegen telefonieren. Termine mit Spielern machen. Und wenn möglich viele Fußballspiele live vor Ort sehen. Ich bin in letzter Zeit oft in Berlin, schaue mir dort viele Nachwuchsteams an, suche Kontakt zu Talenten. Kurz gesagt: Scouten, Kontakten, Fußballerprobleme lösen.
fußball Hamburg: Gibt's einen deutschen Cristiano Ronaldo.
Pomorin: Darauf hofft jeder. So einen Spieler zu entdecken. Davon träumt der Spielerberater.
fußball Hamburg: Sie sprachen von Fußballerproblemen. Das müssen Sie dem Normalbürger erklären. Was sind die Probleme eines 20-Jährigen, der Millionär ist?
Pomorin: Das ist sehr, sehr unterschiedlich. Klar haben die Jungs viel Geld. Aber im Prinzip führen sie ein Leben wie jeder andere auch. Sie ärgern sich über den Trainer, dass der Untermieter zu laut ist. Aber auch andere Lebenslagen sind wichtig. Dinge wie Versicherung und Vermögensberatung haben Priorität. Manchmal sind es aber auch private Dinge, die der Spieler mit uns besprechen will.
fußball Hamburg: Ein Traumjob?
Pomorin: Business und Rasenduft. Das kann man nur lieben.
fußball Hamburg: Verraten Sie uns, wie Spielerberater Geld verdienen. Das Geschäft wirkt sehr undurchsichtig.
Pomorin: Dabei ist es ganz einfach. Es gibt zwei Wege. Einer ist, ein Berater und der Spieler binden sich vertraglich aneinander. In dem Fall gäbe es die Variante: Drei bis fünf Prozent des Jahresbruttogehalts gehen an den Berater. Die zweite Variante: Nicht der Spieler zahlt, sondern der Verein. Das heißt: Verein X will Spieler Y. Da verdient der Berater an der Ablösesumme des Transfers mit. Das ist branchenüblich.
fußball Hamburg: Die Bundesligavereine bezahlen also die Spielerberater?
Pomorin: Fußball ist Big Business; alle Vereine zahlen. Aber es verdienen doch viele Branchen gutes Geld mit dem Produkt Profifußball. Unsere Branche ist nicht vampirmäßig unterwegs. Die Statuten sind so.
fußball Hamburg: Trotzdem: Ihnen winken nur Millionen, wenn sie die Lieblinge der Fans von einem Verein zum nächsten transferieren.
Pomorin: Millionen sind unrealistisch. Gutes Geld ist realistisch. Und klar, über einen geschickten Transfer freuen wir uns. Aber nehmen Sie den Fall Diego. Da werden so viele Leute mitverdienen. Da wird keiner unglücklich sein. Und am Ende bekommen die Fans neue Stars. So war es immer.
fußball Hamburg: Sie stehen in engem Kontakt mit Ivan Klasnic. Wann wechselt er zum HSV?
Pomorin: Schlechter Versuch. Er ist in Nantes, hat noch dreieinhalb Jahre Vertrag. Aber jeder weiß: Ivan kann sich einen Wechsel zurück in die Bundesliga vorstellen.
fußball Hamburg: Olic wechselt zu den Bayern. Der HSV ist auf Stürmersuche. Klasnic wäre da ein Kandidat.
Pomorin: Ivan ist für jeden Verein interessant.
Dass sich der FC Bayern um ihn bemüht, wäre nicht verwunderlich. Gerüchte besagen sogar, dass sich Spieler und Klub bereits einig seien.
Jubelt Per Mertesacker in der kommenden Saison für den FC Bayern? Einige Anzeichen sprechen dafür.
Hinter Per Mertesacker liegt ein rabenschwarzes Wochenende. Die Niederlage gegen Stuttgart, dazu sechs Gegentore. Und dann holte er sich auch noch eine überflüssige rote Karte ab, wurde gestern für zwei Spiele gesperrt. Was ist los mit Merte? Ist er mit dem Kopf etwa schon bei den Bayern? Die Anzeichen, dass Mertesacker zur neuen Saison nach München wechselt, verdichten sich jedenfalls. In den nächsten Wochen will er über seine Zukunft entscheiden. Verlängert er in Bremen oder geht er zu Bayern? Mertes Berater Roman Pletz sagte jetzt: „Es gibt eine Tendenz. Die können wir aber noch nicht öffentlich machen.“
Bayern: Was läuft da mit Merte? Die tz erklärt, was für einen Wechsel des 23-Jährigen an die Isar spricht.
Der Umzug des Beraters:
Mertesackers Berater Roman Pletz plant gerade seinen Umzug nach München. An sich nichts Ungewöhnliches. Doch Mertesacker ist der mit Abstand wichtigste Klient des Beraters. Und: Schon als Merte bei Hannover den Durchbruch zum Profi schaffte, zog Pletz aus dem Schwäbischen in seine Nähe. Jetzt wieder?
Das abgelehnte Angebot:
Anfang des Jahres sollen die Bayern Pletz über ihr Interesse an Merte informiert haben. Schnell wollte Werder den Vertrag des Nationalverteidigers (bis 2010) vorzeitig verlängern. „Wir haben großes Interesse daran, Per langfristig an den Verein zu binden“, sagte Manager Klaus Allofs damals. Doch Ende Januar lehnte Mertesacker das Angebot ab. Weil er mit Bayern schon einig ist?
Der Klinsi-Faktor:
Bayerns neuer Trainer Jürgen Klinsmann ist ausgemachter Mertesacker-Fan, machte ihn 2004 nach nur 20 Bundesliga-Einsätzen zum Nationalspieler. Mertesacker: „Das werde ich ihm nie vergessen.“ Auch nach Klinsis Rücktritt telefonieren beide regelmäßig, schicken E-mails und SMS. Die Planung der Klubs: Bayerns Stamm-Innenverteidiger Lucio äußerte immer wieder den Wunsch, ins Ausland zu wechseln. Nach dieser Saison soll es so weit sein. Deswegen suchen die Bayern nun einen gleichwertigen Ersatz. Und auch Bremen plant schon für die Zeit nach Merte: Im Winter wurde der österreichische Nationalverteidiger Sebastian Prödl von Sturm Graz geholt.
Die Äußerungen von Uli Hoeneß:
Der Bayern-Manager nahm Mertesacker nach dessen schlechter Leistung gegen Stuttgart am Wochenende auffällig in Schutz. Zudem sagte Hoeneß nicht „Per Mertesacker“ oder „Mertesacker“, sondern mehrfach „der Per“. Wie nah stehen sich die beiden schon?
Das Tauschgeschäft:
Klaus Allofs und Werder-Trainer Thomas Schaaf haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie gerne Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger oder Jan Schlaudraff verpflichten würden. Ein Tauschgeschäft mit Mertesacker liegt da fast schon auf der Hand. Merte bei Bayern – über kurz oder lang wird es wohl so kommen. Deutschlands bester Innenverteidiger in der besten Mannschaft Deutschlands ist ja auch irgendwie logisch…
Besonders verärgert über die Praxis des Wegschauens sind diejenigen, die sich mit Aufwand dem Prozedere des DFB unterwerfen. 255 lizenzierte Spielervermittler gibt es derzeit in Deutschland. Voraussetzungen dafür sind der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung, nicht vorbestraft zu sein sowie ein bestandener Multiple-Choice-Fragebogentest. Einer von ihnen ist Guido Nickolay aus Saarbrücken, er findet, dass die nachlässige Haltung des Verbandes die „Schmierengeschäfte“ der Illegalen befördert - zum Beispiel Korruption. „In dem Lizenzierungsverfahren gibt es für uns nicht nur Pflichten, sondern auch ein Schutzrecht. Das nimmt der DFB bisher nicht für uns wahr. Wir müssen uns deutlicher von Pommesbudenbesitzern, Tankwarten und Rohrleitungsverlegern abheben, die in diesem Beruf ihr Unwesen treiben.“ Genauso sieht es sein Kollege Heinz Schellong aus Ingolstadt. „Und von den Schwarzfahrern werden wir noch verspottet, weil wir ehrlich sind.“ Beide sind Mitglieder in der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung, die sich um ein sauberes Erscheinungsbild bemüht. Auch dort wurde zuletzt das geringe Ermittlungsinteresse beim DFB beklagt.
Wer wird eigentlich wann und warum Spielervermittler? Nimmt man die Geschichte von Mark Pomorin zum Maßstab, dann gehört ein gerütteltes Maß Fußball-Affinität plus eine Prise glücklicher Zufälle zu den Grundfesten. Der 32-jährige Hamburger arbeitet für die Agentur 'Soccer and more', zu deren Klientel unter anderem Per Mertesacker gezählt wird.
'Mein Traum ist es, einen jungen Spieler so lange zu begleiten, bis er es nach oben geschafft hat', sagt Pomorin - und er weiß, wovon er spricht. In der Reserve des FC St. Pauli war er in der Dritten und Vierten Liga aktiv, träumte vom großen Wurf. Es schneite auch ein Angebot aus Braunschweig herein, das aber den völlig überhöhten Ablöseforderungen St. Paulis zum Opfer fiel. Verhandelt hatte die Sache damals Pomorin persönlich. 'Einen Berater hatte ich nie, aber der hätte mir da vielleicht geholfen.' Und exakt so sieht er heute seine Mission.
Durch seine Freundschaft zu einigen Profis bekam er erste Einblicke in Dinge wie Vertragsverhandlungen und lernte Guido Nickolay kennen, den Inhaber von 'Soccer and more'. 'Ihm hat meine Nase gefallen, mir die Philosophie der Firma', erinnert sich Pomorin. 'Es wird sehr darauf geachtet, dass die Spieler menschlich passen.' Derzeit kümmert sich Pomorin um junge Talente, besorgt Probetrainings, erledigt organisatorische Dinge. 'Das Handy', erklärt er schmunzelnd, 'ist mein bester Freund.' Dass der Branche ein schlechter Ruf vorauseilt, ist ihm gewahr. 'Es gibt wohl viele schwarze Schaafe', sagt er, 'und natürlich geht's auch um Geld.' Wobei es keineswegs so sei, 'dass man heute das Arbeiten anfängt und morgen der Donald Trump von Hamburg ist'. Für die schnelle Kohle tauge der Job nicht. 'Aber Freundschaft macht den Kühlschrank nicht voll', weiß Pomorin. 'Was dem Spieler gut tut, hilft auch dem Berater.'
Allerdings nicht um jeden Preis. 'Das Umfeld muss zum Spieler passen. Das ist für eine Entwicklung mindestens genauso wichtig wie das Gehalt.' Denn eines will Mark Pomorin bei allen persönlichen Ambitionen: 'Ich muss weiter guten Gewissens in den Spiegel schauen können.'
Er ist 17 Jahre alt und versucht, sich den Traum eines jeden Jungen zu erfüllen. Patrick Schmidt aus Webenheim will Fußball-Profi werden. Dazu wechselt er zum VfB Stuttgart in die A-Jugend.
Gardemaß von 1,86 Meter, Gewicht 80 Kilogramm, Schuhgröße 46/47 - das ist Patrick Schmidt, ein Webenheimer Junge, der sich am 13. Juli aufmacht, die große Fußballwelt zu entdecken. Das Stürmertalent aus dem Bliesgau, seit drei Jahren in Diensten des 1. FC Saarbrücken, U16-Nationalspieler und Mitglied der Saarauswahl, wird in der kommenden Saison für den VfB Stuttgart auf Torejagd gehen. Seit seinem dritten Lebensjahr spielt er Fußball, kam über seinen Heimatclub, den SV Webenheim (bis 2003), wo ihn Hans Brengel sieben Jahre trainierte und sein Talent erkannte, über die Spielvereinigung Einöd-Ingweiler (2003-2005) und Palatia Limbach (2005/06) zu den Malstättern. Er fasste gleich Fuß, hatte nach drei Spielen in der Regionalliga neun Tore zu vermelden und rückte fortan zum älteren Jahrgang unter Trainer Andreas Fellhauer in die Bundesligaelf des FC auf. Dort fand er sich unter den Bedingungen mit dem schnelleren, athletischeren Spiel schnell zurecht, schoss auch noch drei Tore.
'Nach meiner Nominierung in den DFB-Kader hatte ich von vielen Vereinen Angebote', berichtet der hochaufgeschossene Vollblutstürmer. Unter anderem Bayern München und die TSG Hoffenheim, aber auch englische Premier-League Clubs wie Aston Villa klopften bei ihm und seinen Eltern Silvia und Egon Schmidt an, wollten sich das Talent sichern. Besucht hat Schmidt in den letzten Monaten einige Sportstätten, entschied sich am Ende aber für den Schwaben-Club, der vor wenigen Tagen mit seinen U17-Junioren die deutsche Meisterschaft feiern konnte. 'Ich hatte beim VfB einfach den besten Eindruck, meine Weiterbildung im fußballerischen und schulischen Bereich scheint nahezu perfekt aufeinander abgestimmt zu sein. Es ist für mich eine Ehre, das schwäbische Trikot tragen zu dürfen.'
Nationalspieler wie Andreas Beck oder Mario Gomez stammen aus der schwäbischen Kaderschmiede. Mit der Entscheidung liegt er auf der gleichen Linie wie ein anderer Webenheimer, der vor 15 Jahren ebenfalls in die baden-württembergische Landeshauptstadt wechselte, der momentane Ersatz-Keeper von Borussia Dortmund, Marc Ziegler. Patrick Schmidt, der gerade seinen mittleren Bildungsabschluss im Zweibrücker Hofenfels-Gymnasium erworben hat, dessen fußballerische Vorbilder Fernando Torres, Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sind, wird bei einer Gastfamilie in einem Stadtteil der Schwaben-Metropole wohnen. Das Training unter Coach Marc Kienle startet am 16. Juli. Ab dann wird sein Tagesablauf wie folgt aussehen: nach dem Frühstück von 8 bis 9.30 Uhr Training, anschließend bis 13 Uhr Schule im Fachhochschule-Berufskolleg. Es folgt Mittagessen im VfB-Internat, Hausaufgabenbetreuung und danach nochmals Training. Am Wochenende stehen Wettkämpfe auf dem Programm und wenn spielfrei ist, zurück nach Hause.
'Meine Eltern wollen so viele Spiele wie möglich besuchen. Aber es wird ein ganz neuer Lebensabschnitt, auf den ich mich freue', sagt Schmidt, der seit einiger Zeit von Spielerberater Guido Nickolay (Soccer and more) betreut wird und auch schon mit der Sportartikelmarke 'Nike' einen Ausstattervertrag abgeschlossen hat. Seit einem halben Jahr laboriert er jedoch an der Leistenverletzung, die er sich beim Trainingslager der Nationalmannschaft mit Coach Stefan Böger im spanischen La Manga zugezogen hatte. Das kostete ihn nach den zwei Auftakt-Länderspielen im vergangenen Jahr gegen Tunesien, wo er auch gleich zwei Tore schoss, weitere Berufungen in die Eliteelf.
Nun hofft das Fußball-Talent mit dem ehrgeizigen Ziel, Bundesliga-Profi zu werden, dass er bald gesund ist und in der Vorbereitung voll angreifen kann.
Der deutsche Nachwuchsfußball ist Spitze. Die U17, U19 und U21 sind Europameister. Die SZ beleuchtet in einer Serie die Situation des Nachwuchsfußballs im Saarland und in Deutschland. Heute: Der Einfluss von Beratern auf Spieler und Eltern.
Saarbrücken. Im Fußball hat inzwischen fast jeder seinen Berater. Auch junge Spieler legen bei der Karriereplanung Wert auf sie. Berater wissen meist, wie man mit Trainer, Mitspielern oder Öffentlichkeit umgeht. Sie wissen auch, wie sich ein Vertrag gestalten sollte. Da sind junge Spieler und auch Eltern oft überfordert. Berater gehören zum Geschäft mittlerweile genauso wie Präsident, Trainer oder Spieler selbst. Sie sind ein Teil des großen Puzzles Profi-Fußball.
Ehemalige Jugendspieler des 1. FC Saarbrücken setzen auf bekannte Namen: Kevin Feiersinger (17, FC Bayern München) wird von Ex-Profi Karl-Heinz Förster von der Agentur IMG betreut, Erdem Bastürk (17, Borussia Mönchengladbach) von der Agentur 'Stars & Friends' mit Christian Hochstätter. Den Wechsel von Tobias Penth zum VfL Wolfsburg und zurück begleitete das Unternehmen Rogon von Roger Wittmann. Viele andere Saarländer verlassen sich auf den Rat von Guido Nickolay. Der 43-Jährige ist ein vom Weltfußballverband Fifa lizenzierter Spielerberater. Er arbeitet seit 15 Jahren in dem Metier.
Nickolays Agentur 'Soccer and more' berät unter anderem Per Mertesacker (Werder Bremen), Jonathan Jäger (SC Freiburg) und Mike Frantz (1. FC Nürnberg). 'Als Berater wird man oft nach seiner Meinung gefragt', sagt Nickolay, 'sowohl von Eltern und Spielern als auch von Vereinen'. Es sei üblich, dass Beobachter von Bundesliga-Clubs bei Beratern nach Spielern fragen. Andererseits hätten Berater den Vorteil, dass sie Clubs und ihre Nachwuchsleistungszentren kennen und so Kickern und Eltern Tipps geben können.
Entscheidend, ob er einen Verein empfehle, seien die fußballerische Ausbildung - technisch, taktisch, athletisch - sowie die pädagogische Betreuung. 'Als Berater legt man großen Wert darauf, dass es nicht um Ergebnisse, sondern um die persönliche, um die individuelle Förderung des Jugendlichen in Fußball, Schule und Ausbildung geht', sagt Nickolay.
Es sei zu riskant, nur auf das Pferd Fußball zu setzen: 'Schule und Beruf, also Fußball, stehen auf einer Stufe. Wenn es in der Schule nicht klappt, muss es Restriktionen im Fußball geben.' Restriktionen muss es auch vom Elternhaus geben. Denn Summen bis zu 5000 Euro als Monatsgehalt sind im europäischen Jugendfußball üblich. Dazu sagt Nickolay: 'Solange der Fußball das hergibt und derart in die Jugend investiert wird, ist es legitim. Der Jugendliche sollte nicht die Hoheit über das Geld haben.' Beratung von Jugendspielern und deren Vereinswechsel laufen bei 'Soccer and more' unentgeltlich, sagt Nickolay. In der Hoffnung, dass, wenn ein Spieler sich entwickelt und später einen Profivertrag unterschreibt, der Berater wieder am Tisch sitzt.
